Wie reagieren deutsche Discounter auf den Wiesenhof-Skandal?

Die katastrophalen Zustände in der Tiermast halten sich nur deshalb, weil Abnehmer und Verbraucher gerne wegschauen. Die Discounter, die im großen Stil von Wiesenhof beliefert werden, und von denen Wiesenhof finanziell abhängig ist, tragen deshalb auch eine moralisch Verantwortung, für das, was in der „Produktionskette“ geschieht.

Ich wollte es genau wissen, ob deutsche Discounter es einigen schweizern Diskountern gleichtun und sich von Wiesenhof distanzieren. Deshalb habe ich am 22.09.2011 Kaufland, REWE, Famila, Aldi Nord, Aldi Süd, Tegut, Real und EDEKA per E-Mail angeschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des Wiesenhofskandals, Sendung vom 31.08.2011 in der Sendereihe ARD-exklusiv, „Das System Wiesenhof – wie ein Geflügelkonzern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet“, wende ich mich als Verbraucher mit der Frage an Sie, ob Sie als Anbieter von Wiesenhof-Produkten irgendwelche Konsequenzen ziehen werden.

Die schwer erhobenen Vorwürfe gegen Wiesenhof aufgrund der tierquälerischen Haltung gingen durch die Presse und sind hinreichend bekannt, deswegen formuliere ich meine Frage ganz konkret: Werden Sie weiterhin Wiesenhof-Produkte in Ihrem Sortiment führen, ja oder nein?

Ich hoffe sehr, dass ich eine positive Antwort im Sinne des Tierschutzes von Ihnen erhalte.

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

Zwei haben am selben Tag noch  geantwortet:  Famila und  REWE:

Famila, 22.09.2011:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre Email, zu der wir gern Stellung nehmen. Bereits im Januar 2010 gab es einen Bericht über Wiesenhof, der über Report Mainz ausgestrahlt wurde. Eine ehemalige Pächterin hatte Filmmaterial, zur Verfügung gestellt, das auf ihrer Farm im Jahr 2009 aufgenommen und in dem Bericht verwendet wurde. Das gleiche Filmmaterial wird nun in diesem neuen Bericht, ausgestrahlt am 31. August 2011 über ARD-exklusiv, verwendet.

Die Pächterin selbst war verantwortlich für das Wohl der Tiere auf der Farm, weshalb die gezeigten Zustände ausschließlich ihr Verschulden waren. Die Firma Wiesenhof hatte sich bereits im Jahre 2009 wegen der unhaltbaren Zustände auf dem Hof von diesem Betrieb getrennt, und im Jahre 2010 nach Veröffentlichung der Bilder gegen die Pächterin Klage wegen Tierquälerei erhoben.

Nach der Ausstrahlung des Reports im August haben wir sofort mit dem

Unternehmen Wiesenhof Kontakt aufgenommen, um deren Stellungnahme zu den Vorwürfen einzufordern. Zudem ergab ein weiteres, außerplanmäßiges Lieferantenaudit, dass alle Kontrollen in Ordnung waren. Die Firma Wiesenhof nimmt auf ihrer Seite http://newsroom.wiesenhof-online.de/ umfassend zu den Vorwürfen Stellung.

Die Nutztierhaltung ist gesetzlich geregelt, so dass Tiere tiergerecht gehalten werden müssen. Tierquälerei darf natürlich nicht vorkommen! Wir blicken auf eine langjährige, gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Firma Wiesenhof zurück und uns ist bekannt, dass die im ARD-Report gezeigten Bilder nicht der Standard in Wiesenhof Betrieben ist.

In einem so großen Unternehmen wie Wiesenhof, dem 800 Tierfarmen angeschlossen sind, ist es nicht immer einfach, alle Verstöße gegen die Nutztierhaltung zeitnah aufzudecken, die möglicherweise auch durch Fremdfirmen begangen werden. Eine 100%ige Sicherheit gibt es somit zwar bedauerlicherweise nicht, doch Wiesenhof und auch Händler wie famila sind auf das Äußerste bemüht, durch ständige amtliche und nichtamtliche Kontrollen, zu prüfen, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden und um mögliche Missstände aufzudecken und zu beheben!

Famila arbeitet eng mit verschiedenen Tierschutzorganisationen zusammen – die bekannteste davon ist zum Beispiel Vier Pfoten – um auch von nichtamtlicher Seite Berichte zu erhalten, ob Verstöße gegen den Tierschutz in einzelnen Betrieben vorliegen. Dies wurde uns bislang jedoch nicht bestätigt, so dass wir auch weiterhin unser Vertrauen in Wiesenhof setzen.

Wir freuen uns, wenn wir Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen konnten und wenn wir Sie bald wieder bei famila begrüßen dürfen.

Mit vielen sonnigen und freundlichen Grüßen

xxxxx

– FAMILA Kundenservice –

Kommentar:

Wiesenhof also völlig unschuldig? Ich will fair sein: Mir ist bekannt, dass bei den Drehs solcher Reportagen gerne auch auf älteres Bildmaterial zurückgegriffen wird, was dann auch ein verzerrtes Bild wiedergeben kann. Dennoch: Der ganze Film handelt ja nicht ausschließlich von dieser Pächterin, die die Zustände ihres Stalles durch eigenes Bildmaterial dokumentiert hatte und ggf. ebenfalls eine Mitschuld trägt.

Es wurden in der ARD-Reportage weitere  Mastbetriebe  mit schlimmen Zuständen gezeigt;  Peta und eine andere Tierschutzorganisation drehten dort undercover.

Dass Wiesenhof, die Pächterin anzeigt ist logisch: Diese Frau hat die Missstände schließlich als Insider an die Öffentlichkeit gebracht und hat möglicherweise (vielleicht auch nicht) auch eigene Versäumnisse zu verschulden. Die Frage drängt sich allerdings auf, ob Wiesenhof nicht einfach nur den Spieß umdrehen möchte, um von sich abzulenken.

Famila macht es sich nach meiner Meinung sehr sehr leicht…


REWE, 22.09.2011:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre Nachricht und die damit verbundene Mühe, uns Ihr Anliegen zu schildern.

Wir teilen Ihre Verärgerung und können Ihnen mitteilen, dass die REWE Group auf die ARD-Reportage „Das System Wiesenhof“ vom 31. August 2011 unmittelbar reagiert und die Geschäftsführung von Wiesenhof zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. Die REWE Group erwartet von Wiesenhof eine lückenlose und zweifelsfreie Aufklärung der in diesem Beitrag gemachten Vorwürfe und distanziert sich mit aller Entschiedenheit von sämtlichen tierquälerischen Praktiken. Wir behalten uns vor, soweit Wiesenhof Produkte bezogen werden, diese durch Alternativlieferanten zu ersetzen.

Tierschutz hat für die genossenschaftliche REWE Group einen hohen Stellenwert. Daher toleriert das Unternehmen keine Verstöße dagegen, ganz gleich ob diese von einem Lieferanten oder einer von ihm beauftragten Firma begangen wurden.

Zwischenzeitlich hat uns Wiesenhof mitgeteilt, einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Haltungsbedingungen in den Ställen schnellstmöglich umzusetzen. Dies ist uns noch nicht genug: Um unser und das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen, haben wir Wiesenhof aufgefordert, kurzfristig wesentlich mehr für den Tierschutz zu tun. Darüber hinaus liegt uns bereits eine Zusage vor, dass die REWE Qualitätssicherung eigene und unangemeldete Kontrollbesuche in den Wiesenhof-Betrieben vornehmen kann. Wir werden alle eingeleiteten Maßnahmen einer umfassenden Kontrolle unterziehen und davon unsere weitere Geschäftsbeziehung abhängig machen.

Uns geht es im Dialog mit Wiesenhof darum, eine dauerhafte Verbesserung etwaiger Missstände zu erzielen. Eine kurzfristige Auslistung ist aus unserer Sicht ein probates Mittel der Problemvermeidung. Damit ist aber weder den Tieren noch dem Gedanken des Tierschutzes geholfen. Verantwortung für zukünftige Generationen zu übernehmen, heißt für uns eben auch, sich einem Problem zu stellen und gemeinsam mit einem Lieferanten an einer Lösung zu arbeiten.

Der Einkauf auf dem Bauernhof ist sicherlich eine individuelle Variante, den eigenen Bedarf an Lebensmitteln zu decken. Allerdings reicht allein die Kapazität dieser Höfe bei weitem nicht aus, um ein Volk von knapp 80 Millionen Menschen dauerhaft mit Lebensmitteln zu versorgen. Ganz zu schweigen von der Bezahlbarkeit von Lebensmitteln.

Die REWE Group bietet ihren Kunden ein umfassendes Sortiment an regionalen bzw. heimischen Produkten, an Lebensmitteln aus biologischem Landbau oder neuerdings an nachhaltigeren Lebensmitteln (Pro Planet) an.

Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung dieser Produzenten bzw. Produktionsformen. Mehr noch: Wir werden den Anteil dieser Lebensmittel am Sortiment weiter ausbauen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen weiter helfen konnten und wünschen Ihnen ein schönes Wochenende

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

REWE GROUP

Kommentar:

Es ist gut, dass REWE von Wiesenhof bessere Tierschutzbedingungen einfordert und auch eigene Kontrollen durchführen möchte.  Mein volles Vertrauten bekommt Wiesenhof  und REWE aber erst, wenn kritische Kontrolleure, z.B. Peta, ebenfalls freien Zugang zu den Ställen gewährt wird, um sich über die Fortschritte zu informieren.


25.09.2011, Aldi Süd:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Um für unsere Kundinnen und Kunden Frische und Sicherheit bei unseren Fleischprodukten zu garantieren, setzen wir auf umfassende und stetige Qualitätskontrollen der Waren durch unabhängige Lebensmittelinstitute. Überprüfungen finden entlang der gesamten Lebensmittelkette statt: Von der Schlachtung und Verarbeitung über die Lagerung bis hin zum Verkauf werden Qualitätsdimensionen wie Frische, Aussehen, Inhaltsstoffe und Geschmack des Fleisches laufend kontrolliert.

Die Lieferanten unserer in der Kühlung angebotenen Frischfleisch-Produkte müssen neben der obligatorischen Zertifizierung nach dem International Featured Standard (IFS) auch Partner des anerkannten QS-Prüfsystems sein. So können wir sicherstellen, dass alle Verarbeitungsschritte bis zum Endprodukt genau dokumentiert werden. Überprüft werden unter anderem Tiergesundheit und Futtermittel bei der Aufzucht, Tierschutz beim Transport, Hygienestandards bei Aufzucht und Verarbeitung sowie die Produktqualität und die Einhaltung der Kühlkette.

Gerne teilen wir Ihnen in diesem Zusammenhang mit, dass unsere Lieferanten von Frischgeflügel Partner des 5-D-Herkunftssicherungssystem sein müssen. Die fünf D auf der Verpackung garantieren, dass das Tier, ebenso wie bereits die Elterntiere, in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, mit Futter aus deutscher Produktion ernährt und in Deutschland geschlachtet und verarbeitet wurde. Zudem stammen die Geflügelrohstoffe ausschließlich von Tieren, die nur mit NON-GMO-Soja gefüttert wurden.

Bezüglich der TV-Reportage möchten wir Sie bitten, sich direkt an die Firma „Wiesenhof“ zu wenden. Gerne verweisen wir dabei auf die Homepage des Lieferanten (www.wiesenhof-online.de).

Mit freundlichen Grüßen

Kommunikation

ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Kommentar:

War das jetzt die Antwort auf meine präzise formulierte Frage? Ich  frag am selben Tag per E-Mail nach:

Sehr geehrte Damen und Herren,

besten Dank für Ihr Antwortschreiben auf meine E-Mail vom 22.09.2011. Leider haben Sie meine Frage nicht beantwortet, die lautete, ob Sie Konsequenzen aus dem Wiesenhof-Skandal ziehen und weiterhin Wiesenhof-Produkte anbieten.

Gerne erwarte ich Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

Update: Heute, am 27.09.2011, die Antwort von Aldi Süd auf mein gestriges E-Mail

Sehr geehrte Frau xxxx,

Ihre erneute Anfrage bezüglich der Firma „Wiesenhof“ haben wir erhalten. Wir möchten Ihnen versichern, dass wir uns dieses Themas durchaus bewusst und entsprechend sensibilisiert sind. Wir befinden uns kontinuierlich im engen Dialog mit unseren Lieferanten, um solche aktuellen Themen und Entwicklungen rund um das Thema „Tierschutz“ zu erörtern.

Bitte seien Sie versichert, dass wir uns im Sinne unserer Kundinnen und Kunden intensiv mit der Thematik auseinandersetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Kommunikation

ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Kommentar:

Also wieder keine Antwort auf die Frage, ob sie Konsequenzen aus dem Wiesenhof-Skandal ziehen!


Update, 26.09.2011,  Tegut:

Sehr geehrte xxxx,

vielen Dank für Ihre Nachricht und das Interesse, das Sie tegut… damit entgegenbringen.

Uns haben die Meldungen in den Medien über Wiesenhof und die dortige Geflügelhaltung ebenso erschrocken, gar geschockt.

Die gezeigten Bilder und beschriebenen Zustände entsprechen in keiner Weise unserem Bild von einem respektvollen Umgang mit Tieren.

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass es wichtig ist, den Prozess des Schlachtens und die Zeit davor mit besonderem Bedacht zu gestalten und dabei zu bedenken, dass wir es mit Mitgeschöpfen zu tun haben. Nur mit diesem Bewusstsein wird es uns gelingen, unserer Verantwortung gerecht zu werden.

Wir wissen, dass es in großen Unternehmen schwierig ist, vom Verhalten Einzelner auf das gesamte Unternehmen zu schließen, und gleich davon auszugehen, dass hier ein Prinzip eines Unternehmens dahinter stecken würde.

Für uns ergibt sich aus den Vorfällen daher zunächst die Verantwortung, mit unserem Lieferanten Wiesenhof die Vorfälle zu klären und aufzuarbeiten.

Wir sehen eine Auslistung im Augenblick als zu kurzfristige Lösung an. Sie ist nach unserer Meinung wenig geeignet, die Situation zum Besseren hin zu gestalten, da dieser Schritt auch den Tieren, die zur Zeit noch aufgestallt sind, nicht helfen würde.

Erste Gespräche finden im Oktober statt. Danach werden wir den Sachverhalt neu beurteilen.

Für alle, die Alternativen zu Wiesenhof suchen, bieten wir im Bereich der Bedientheke und auch im Selbstbedienungsbereich konventionelle Ware von anderen Lieferanten an. Als weitere Alternative bieten tegut… Märkte seit jeher Geflügelprodukte in Bio-Qualität an. Diese Produkte sind sowohl in Selbstbedienungsbereich als auch in der Bedientheke zu bekommen.

Haben Sie Fragen oder benötigen Sie weitere Informationen? Antworten Sie uns unter folgender Email-Adresse: info@tegut.com

Mit freundlichen Grüßen

xxxx, Kundenbetreuung

Update, 27.09.2011,  Kaufland

Sehr geehrte Frau xxxx

vielen Dank für Ihre Nachricht vom 23.09.2011.

Im Rahmen der Sortimentsgestaltung setzt Kaufland sich aktiv für den Tierschutz ein – dies ist ein wichtiger Bestandteil unserer Einkaufspolitik. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Tieren ist uns dabei wichtig, daher nehmen wir derartige Vorwürfe sehr ernst.

Die in der Reportage „ARD-exklusiv“ dargestellten Sachverhalte entsprechen nicht den Anforderungen, die wir an unsere Lieferanten stellen und sind nicht mit unserer Geschäftspolitik vereinbar. Wir stehen mit Wiesenhof in persönlichem Kontakt und fordern zwingend die Einhaltung von Tierschutznormen sowie die Durchführung von konsequenten und zielgerichteten Maßnahmen, um derartigen Missständen vorzubeugen bzw. diese abzustellen.

Grundsätzlich sind wir bestrebt, unser Angebot an Produkten aus alternativen Haltungsformen kontinuierlich auszubauen und entsprechende Produkte in unser Sortiment aufzunehmen. So bieten wir in unseren Filialen beispielsweise Freilandhähnchen der Marke „Nature & Respect“ an. Zudem haben wir gemeinsam mit einem Lieferanten und einer Tierschutzorganisation Maßnahmen initiiert, um Haltungsstandards zu etablieren, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Ausführungen weiter helfen konnten und sind weiterhin gerne für Sie da.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Kaufland Kundendienst-Center

Meinen Antwort an Kaufland am selben Tag:

Sehr geehrte Frau xxxx

vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie schreiben, Sie sind in Kontakt mit Wiesenhof, um bessere Tierschutzbedingungen einzufordern. Das freut mich, gerne höre ich demnächst wieder von Ihnen per E-Mail, um mich über die erfolgreiche Durchsetzung konkreter Tierschutzverbesserungen zu informieren.

Mi freundlichen Grüßen

xxxx

Fleisch kranker Tiere – ganz legal auf unseren Tellern. Teil 2

Der Landwirt Mario Kuder,  dessen Rinder mit dem Bakterium Clostridium Botulinum infiziert waren, hat seit vier Monaten seinen Bestand aufgegeben. Ein ARD-Team besuchte noch einmal Kuder, dessen Familie selbst an Botulismus erkrankt ist, und wollte genau wissen, wie alles gelaufen ist. Am 07.09.2011 teilte die ARD in der Sendereihe „Extra“ mit dem Titel „Geschmacklose Geschäfte – was am Ende wirklich auf unseren Tellern landet“ ihre Recherchen in Form eines Filmes ihren Zuschauern mit:

Bevor sich Landwirt Kuder von seinen Tieren trennte, stuften Wissenschaftler der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig 60 der 100 verbliebenen Tiere als klinisch krank ein.

Eine Rückfrage von Seiten der ARD bei Jürgen Neuhaus von der Universität Leipzig ergab, dass alle Tiere, also auch die 60 klinisch kranken, geschlachtet wurden. Die Rinder wiesen klinische Symptome auf wie Lahmheit, Hautveränderungen, schlechtes Bewegungsbild; manche waren abgemagert und in einem recht schlechten Zustand. Neuhaus hätte das Fleisch dieser Tiere nicht essen wollen.

Die Leiterin des Uni-Instituts Prof. Monika Krüger ist empört. Sie hält die Schlachtung dieser Tiere für einen klaren Gesetzesverstoß. „Deswegen haben wir doch ein Lebensmittelgesetz und ein Fleischhygienegesetz, dass solche Tiere eben nicht in den Schlachtprozess hineinkommen sollen!“ – so Krüger.

Auch Prof. Helge Böhnel, Veterinärmediziner, hält das Schlachten von kranken Tieren für sehr verantwortungslos: „Wenn sie ein krankes Tier schlachten – vielleicht passiert gar nichts. Aber es könnte natürlich sehr viel passieren. Dass eben aus diesen Lebensmitteln eine Infektion entsteht bei vielen Leuten, die diese Lebensmittel zu sich genommen haben!“

Außerdem: „Wenn ein Tier, trotzdem es klinisch erkrankt ist, geschlachtet wird, widerspricht das dem Fleischbeschaugesetz und ist verantwortungslos gegenüber dem Verbraucher, der erwartet, dass nur gesunde Tiere geschlachtet werden!“

Ein Viehhändler aus dem thüringischen Schleiz hatte die Rinderherde von Kuder aufgekauft. Die zuständige Viehhändlerin Christina Rösch behauptete, die Tiere wären alle gesund gewesen. In einem Schreiben des zuständigen Veterinäramtes des Vogtlandkreises waren 40 Tiere als gesund deklariert worden. Aufgekauft und zum Schlachter gebracht hatte die Viehhändlerin aber die ganze Herde, also alle 100 Rinder. Von gekauften kranken Tieren will sie nichts wissen und redet sich heraus, dass in dem amtlichen Schreiben des Veterinäramtes nichts von klinisch kranken Tieren gestanden habe.

Das zuständige Veterinäramt des Vogtlandes, das eine Schlachtung nicht verhindert hat, schweigt dazu. Und der Schlachtbetrieb im 400 km entfernten Pforzheim räumt ein, dass die Tiere keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hätten.

Kuders Geschichte ist eine von vielen Viehbauern in Deutschland, deren Herden mit Botulismus „verseucht“  sind – nur, dass davon nichts an die Öffentlichkeit gelangt. Experten schätzen, dass es in Deutschland an die 1000 Höfe gibt.

Na dann: Guten Appetit.

Referenz:
www.mdr.de/exakt/botulismus100.html