Hormoneinsatz in der Tiermast: BUND fordert Transparenz

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) warnt in einer eindringlich vor den Gefahren der hormonellen Medikation in der Tiermast. Am Beispiel der Schweinemast werden die Risiken aufgezeigt.

Schwein ist der Deutschen liebstes Fleisch. Er verzehrte in den Jahren 2010 bis 2012 etwa 32,3 kg jährlich. Im Jahr 2013 gab es in Deutschland etwa 28.000 Betriebe mit Schweinehaltung mit sag und über 28 Mio Schweinen. Um dieser hohen Produktionsrate gerecht zu werden, greift der Schweinebauer in das Repertoire seiner Trickkiste: Der Einsatz von Sexualhormonen macht es dem Schweinezüchter möglich, den weiblichen Zyklus der Sauen gleichzuschalten.

Durch Hormongaben kann der Bauer nicht nur steuern, dass alle Sauen zur gleichen Zeit trächtig werden und abferkeln, sondern auch die Anzahl der Wurfrate erhöhen. Die Sau mutiert so zu einer „Hochleistungs-Trächtigkeitsmaschine“, die nicht „leerläuft“ und unnötig Kosten verursacht, sondern in der bereits nach nicht einmal drei Wochen nach der Abferkelung erneut „Frischfleisch“ heranwächst.

In Deutschland bzw. in der EU ist die Einsatz von Masthormonen in der Fleischproduktion verboten. Substanzen mit östrogener, androgener oder gestagener Wirkung stehen im Verdacht, krebserregend zu sein oder das Erbgut zu schädigen. Werden diese Hormone jedoch nicht zu Mastzwecken, sondern zur Gleichschaltung des Zykluses der Tiere eingesetzt, ist dies dubioserweise meist ohne definierte Höchstmenge erlaubt. Hat die Sau als „Zuchtsau“ ausgedient und wird geschlachtet, besteht die Gefahr, dass die zugesetzten Hormone auch im Fleisch sind.

Laut BUND-Bericht handelt es sich nicht um kranke Tiere, sondern um kerngesunde Sauen, die medikamentös mit Hormonen behandelt werden. Dabei sollen Hormone zur Brunstsynchronisation, zur Brunststimulation, zur Ovulationssynchronisation und –stimulation, zur Geburtseinleitung und zur Geburtsbeschleunigung zum Einsatz kommen.

Mit der Ausbringung von Mist und Gülle gelangen die verabreichten Hormone auf die Felder und können letztlich das Trinkwasser belasten, denn noch nicht alle Substanzen lassen sich aus der Kläranlage herausfiltern.

Eine offizielle Bewertung über die toxische Belastung der Umwelt mit endokrinen Substanzen liegt derzeit leider nicht vor, was aber nicht heißt, dass die Ausbringung von hormonellen Substanzen in Luft und Böden als unbedenklich einzustufen ist. Der BUND befürchtet Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier und fordert nachdrücklich eine risikoorientierte Untersuchung.

Aus der Humanmedizin ist bekannt, dass östrogenhaltige Hormone mit bestimmten Krebsarten assoziiert sind, z.B mit Brustkrebs. Eine Vorverschiebung der Pubertät ist ebenfalls festzustellen, Früher trat die erste Regelblutung bei Mädchen im Alter zwischen 16 und 17 Jahre auf, heute zwischen 12 und 14 Jahren. Ein Anstieg an Fruchtbarkeitsproblemen bei Männern und das Auftreten von Hodenkrebs und Prostatakrebs wird ebenfalls mit Hormonen in Verbindung gebracht.

Das Umweltbundesamt bewertet die Ausbringen von Medikamenten über die Ausscheidung von Nutztieren sehr kritisch, wie es auch auf seiner Homepage zu lesen ist:

„Grundsätzlich stellt die Belastung von Gewässern und Böden durch indirekte Einträge wie zum Beispiel über Kläranlagen (Humanarzneimittel) und aus der Landwirtschaft (Tierarzneimittel) eine Herausforderung für eine effektive Regulierung dar. Seit etwa zehn Jahren werden über die Risikobewertung bei der Zulassung neue Informationen von Medikamenten gewonnen. Sie machen deutlich, dass die Risiken bisher oft unterschätzt wurden. Auch stellen die oft schwer abbaubaren Arzneimittel-Wirkstoffe eine besondere Herausforderung für die Abwasserreinigung dar, da konventionelle Reinigungstechniken nicht ausreichen, um die Mehrzahl der Stoffe effektiv aus dem Abwasser zu entfernen.“

Leider liegen derzeit keine offiziellen Zahlen über den Hormoneinsatz in der Tierzucht vor. Und da liegt auch der Hase begraben: Vertreter der industriellen Tiermast können so den Vorwurf der Wasser- und Umweltverunreinigung mit Hormonen aus der Tierzucht abstreiten und den Ball an die Humanmedizin weitergeben.

Allerdings scheint in der Ferkelerzeugung der Einsatz von Hormonen im großen Stil deutschlandweit üblich zu sein. Das kann man jedenfalls als logische Schlussfolgerung den Daten entnehmen, die der BUND offengelegt hat. So liegt z.B. in Ostdeutschland die künstliche Besamung der Sauen bei 100 Prozent. Die Voraussetzung einer künstlichen Besamung einer Sauengruppe ist eine Brunstkontrolle. Für eine gleichzeitige Brunstauslösung von Sauen, die noch nicht geworfen haben, ist ein Hormoneinsatz erforderlich, damit alle in den gleichen Zyklus kommen.

Der Zentralverband der deutschen Schweineproduktion (ZDS) bezifferte im Jahr 2011 die Anzahl der Betriebe, die bei der Ferkelerzeugung einem festgelgten Zeitrhytmus folgen auf 81 Prozent.

Der BUND klärt auf, dass im Jahr 2012 an die 35,3 Prozent in Ställen mit mehr als 500 Sauen gehalten wurden, davon fast zwei Drittel in Ostdeutschland. Etwa 90 Prozent der Sauen in Ostdeutschland befinden sich in Großbetriebe. Eine Bestallung mit 1.500 Schweinen ist dort keine Seltenheit, es gibt auch Betriebe mit 10.000 Sauen und mehr, der größte fasst 32.000 Schweine.

Profitabel ist es, Anzahl der Ferkel pro Jahr auf ein Maximum zu erhöhen, um einen größtmöglichen Gewinn zu ziehen. Um eine Sau so schnell wie möglich wieder trächtig machen zu können, werden kürzere Säugezeiten von 3 – 4 Wochen anstatt von 6 – 7 Wochen in Kauf genommen. Laut Recherche von BUND wird eine Leistungssteigerung von bis zu 34 Ferkel pro Jahr angestrebt. Die Schweine sind jetzt schon so gezüchtet, dass sie teilweise mehr Ferkel auf die Welt bringen als sie Zitzen haben.

Der BUND bemängelt die fehlende Transparenz im Umgang mit Tierarzneimittel. Es gibt kein öffentliches Verzeichnis, bei dem man Daten über alle in der Tierzucht zugelassenen Medikamente sowie Einsatzmenge abrufen könnte. Die Einrichtung einer solchen Datenbank wäre eigentlich ohne weiteres möglich, da die Fleischproduzenten und Tierärzte die Verabreichung von Hormonen ohnehin dokumentieren müssen.

Referenzen:

  • Dr. Heribert Wevers:  Mögliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit durch Einträge von Hormonen; BUND
  • BUND: Fragen und Antworten zum Hormoneinsatz in Deutschland
  • Umweltbundesamt.de: Arzneimittel und Umwelt