Lebensmittelalarm in Deutschland: Dioxin in Fleisch und Eiern

Der Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein soll über 3.000 Tonnen dioxinbelastetes Fett in über 150.000 Tonnen Futtermitteln in den Handel gebracht haben. Dioxine sind Abfallprodukte chemischer Verbrennungsprozesse. Sie sind hochtoxisch und werden als krebserregend eingestuft. Dioxin sammelt sich bevorzugt im Fettgewebe der Tiere an.
In der ersten Kalenderwoche 2011 standen in Deutschland über 4.700 Tierproduktionsbetriebe im Verdacht, dioxinverseuchtes Tierfutter zu verfüttern. Betroffen waren insbesondere Schweinemastbetriebe und Hühnerfarmen.

Tatsache ist, dass tausende Hühnereier und Hennen dioxinverseucht waren bzw. sind. Tests haben ergeben, dass fast jede zweite Probe des Futtermittelherstellers Harles und Jentzsch einen zu hohen Dioxingehalt aufwies. Der Dioxinskandal hat sich mittlerweile auch auf Schweinemastbetriebe ausgeweitet. Entdeckt wurden erhöhte Dioxinwerte bei einer Probeschlachtung in einer Schweinemästerei im niedersächsischen Landkreis Verden. Dabei wurden um mehr als 50 Prozent über dem Grenzwert liegende Dioxinwerte ermittelt. 160 Schweine wurden als nicht lebensmitteltauglich eingestuft.
Recherchen haben ergeben, dass von dieser Mästerei mindestens 180 dioxinbelastete Schweine zur Schlachtung freigegeben und höchstwahrscheinlich verzehrt wurden. Dieser Schweinehalter verfüttert seit mindestens 26. November 2010 an seine Schweine dioxinhaltiges Futter.
In einer weiteren Schweinemästerei in der Region wurden bei einem Tier ebenfalls erhöhte Dioxinwerte festgestellt. Dieser Hof bleibt bis auf weiteres gesperrt. Allein in Niedersachsen werden 330 Schweine- und Putenmästereien und Legehennenbetriebe bis zum endgültigen Abschluss der Kontrollen gesperrt bleiben.
Aufgrund der massiven Dioxinskandale haben China und auch Korea die Einfuhr von deutschem Schweinefleisch und deutschen Eierprodukten eingestellt.

Referenzen:
online-presseportal.com, 07.12.2011
Bild.de, 06.01.2011
Stern.de, 11/ 12.01.2011
rp-online.de, 13.01.2011

Ach du dickes Ei

Laut Behördenangaben wurden giftige Fettreste aus der Biodiesel-Produktion an einen Futtermittelbetrieb verkauft und zu Futtermitteln weiterverarbeitet. Die Ware stammt von der Biodiesel-Anlage Petrotec AG.
Der Futtermittelproduzent Harles & Jentzsch kaufte diese giftigen Fettreste, obwohl anscheinend durch Kennzeichnung hervorging, dass sie nur für die chemische Industrie bestimmt waren. Die dioxinbelasteten Fettreste wurden dann zu Futtermitteln verarbeitet. Leichtsinnig oder einfach nur skrupellos?
Vom Produzenten gelangte das verseuchte Futter dann zu den Höfen, wo es den Tieren als „Nahrung“ zugeführt wurde. Als Endprodukt Ei landete es dann auf so mancher Leute Teller.
In Niedersachen wurden bereits 1000 Betriebe geschlossen, und allein im Kreis Soest mussten 8000 Tiere ihr Leben lassen. Die Eier befinden sich natürlich bereits zu Massen im Handel oder wurden weiterverarbeitet. Ob es auch Ihr Ei betrifft, wer weiß?
Eine Frage bleibt auf jeden Fall offen: Ist dies nur die Spitze des Eisbergs?

Zu hoffen ist, dass viele Verbraucher umdenken. Denn wir als Verbraucher können täglich entscheiden, ob wir uns mit Billigeiern aus der Massentierhaltung zufrieden geben und qualvolles Tierleid unterstützen möchten.

Referenz:
Fettreste der Biodiesel-Produktion im Tierfutter, rp-online.de, 04.01.2011

In stiller Trauer

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veröffentlichte  im Herbst 2010 die Zahlen der “verbrauchten” Tiere in Tierversuchen für das Jahr 2009. Offiziell wurden in Deutschland insgesamt 2.786.331 Tiere  zum Wohle der Wissenschaft verwendet.
Allein für die biologische Grundlagenforschung wurden 2009 fast 1 Mio. Tiere  geopfert. Über eine halbe Mio. Tiere kamen für die Erforschung und Entwicklung von Produkten und Geräten für die Human-, Zahn- und Veterinärmedizin zu Tode – Tiere, die hierbei in toxikologischen Tests umgebracht wurden, gar nicht eingeschlossen. Für die Herstellung von Produkten und Geräten für die Human- , Zahn- und Veterinärmedizin  und deren Qualitätskontrollen kamen über eine viertel Mio. Tiere ums Leben. Weitere Einsatzgebiete, für die unzählige Tiere einen qualvollen Tod erleiden mussten, waren u.a. toxikologische Untersuchungen und Sicherheitsprüfungen, Diagnosen von Krankheiten, Prüfung der Wirksamkeit von Schädlingsbekämpfungsmitteln, Ausbildung und Weiterbildung.

Anzahl der verwendeten Tiere in Tierversuchen 2009:

Mäuse 1.876.563
Ratten 514.722
Meerschweinchen 29.566
Hamster 6.933
andere Nagetiere 7.632
Kaninchen 59.208
Katzen 793
Hunde 3.832
Frettchen 100
andere Fleischfresser 446
Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel 917
Schweine 13.637
Ziegen 413
Schafe 2.690
Rinder 3.182
Neuweltaffen 424
Altweltaffen 1.889
andere Säugetiere 283
Wachteln 1.943
andere Vögel 104.344
Reptilien 343
Amphibien 10.341
Fische 146.130
Insgesamt 2.786.331

Quelle:
http://www.bmelv.de/cln_163/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Tier/Tierschutz/2009-TierversuchszahlenGesamt.html
Bild: knipseline, pixelio.de

Katholischer Priester prangert Fleischkonsum zu Weihnachten an

Das sind mal gute Nachrichten: Ein katholischer Theologe fordert, dass zu Weihnachten weniger Fleisch konsumiert wird. Die Kritik an dem Fleischkonsum kommt von Rainer Hagencord. Der Priester ist Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster. “Ich bin empört darüber, wie sehr der Fleischkonsum als globales Problem verharmlost wird“, kritisiert Rainer Hagencord. „Die Kirche spricht zwar immer von der Bewahrung der Schöpfung, aber Puten, Hühner, Schweine, Rinder tauchen dabei nicht auf”, so Hagencord.

Die Natur sei in der Perspektive nur eine Ressource, die man schön finde. „Wir sollen Sonne, Mond und Sterne retten, Regenwälder und Meere. Nur die Tiere kommen nicht vor. Meine Diagnose lautet: Die Mainstream-Theologie hat die Tiere ausgeblendet.“ Hagencord tut kund, dass er zu Weihnachten ein vegetarisches Menü essen werde.
Er fordert, dass sich die Kirche als unabhängige Institution mehr für die Rechte der Tiere einsetzen und sich zum Anwalt des Lebens machen sollte. „Welche Institution ist denn außer uns noch unabhängig von der Pharma- und Fleischindustrie?“, fragt Hagencord. Der Priester betont, dass es in der Bibel keine Formulierung gebe, die besagt, dass nur der Mensch eine Seele habe. Außerdem sei im Römerbrief 8,22 vom Seufzen der Schöpfung die Rede und von der Befreiung aus der Sklaverei. Der Priester scheint allerdings wenig Hoffnung zu haben, dass sein Arbeitgeber Kirche sich für die Belange der Tiere einsetzen werde. Er glaubt, die Kirche habe Angst vor Kirchenaustritten, wenn sie sich für die Tiere engagiert.

Referenz:
Welt online, 18.12.2010

Britische Wissenschaftler halten Klon-Fleisch für harmlos

Die Britische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält den Verzehr von Fleisch und Milch von geklonten Tieren für unbedenklich. Das Expertengremium ACNFP betont, dass das Fleisch und die Milch von geklonten Tieren und ihren Nachkommen keine anderen Charakteristika aufweisen als entsprechend konventionell erzeugte Fleisch- und Milchprodukte. Auch wenn von Klonfleisch und Klonmilch keine Gefahr ausgehen würde, wären noch weitere Untersuchungen vonnöten.
Im Sommer 2010 wurde ein Fall in Großbritannien bekannt, bei dem bereits Klonfleisch und Klonmilch trotz EU-Verbots in die Nahrungsmittelkette gelangt sein soll.

Referenz:
Focus.de, 26.11.2010: Britische Experten halten Klonprodukte für unbedenklich

Foodwatch deckt auf: Gelockerte Rechtsgrundlage hat viele Gammelfleischskandale erst ermöglicht

Am 24. November 2000 – also vor 10 Jahren – wurde erstmals bei einer in Deutschland geborenen Kuh die Diagnose BSE gestellt. Bis dato sahen die deutschen Politiker keinen Handlungsbedarf bezüglich Präventionsmaßnahmen und Erforschung der Erreger, obwohl BSE bereits 1985 in Großbritannien und 1989 außerhalb der Insel entdeckt worden war. Bis heute wurden offiziell 413 BSE-Fälle von in Deutschland geborenen Rindern registriert. Dieses Jahr (Stand November 2010) wurde noch kein einziger BSE-Fall in Deutschland gemeldet. Zwischenzeitlich wurden ja EU-weit auch einige Maßnahmen getroffen, um die Rinderseuche in den Griff zu bekommen.<

So weit, so gut. Was weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass infolge der BSE-Krise der Handel mit Schlachtabfällen wesentlich leichter und somit die Pforte für kriminelle Gammelfleischskandale weit geöffnet wurde. Das deckte die Verbraucherorganisation foodwatch auf. Sie veröffentlichte jetzt eine Analyse der europäischen BSE-Politik und stellt fest, dass der Gewinner der BSE-Krise die Fleischindustrie ist.
In der Analyse ist u.a. nachzulesen, dass vor der BSE-Krise ein Großteil der Schlachtabfälle kostenpflichtig entsorgt werden musste. Aufgrund einer Lockerung der europäischen Gesetzgebung konnte dann aber der Handel mit etwa 80 Prozent aller Schlachtabfälle durchgesetzt werden. Infolgedessen wurden viele Gammelfleischskandale überhaupt erst möglich.
foodwatch moniert, dass der Markt für Fleisch- und Fleischskandale der öffentlichen Kontrolle entzogen wurde. Sage und schreibe 71 europäische Rechtsakte rund um die BSE-Bekämpfung sind von 2001 bis einschließlich 2009 dokumentiert – zuletzt mit klarer Tendenz zur Lockerung der Bekämpfungsmaßnahmen. 65 mal wurden die Gesetze für den Handel mit Schlachtabfällen geändert, und es wurden gravierende Erleichterungen zugunsten der Fleischindustrie ermöglicht, wie z.B Ausnahmen bezüglich des Handelsverbots für Risiko-Material. Eine zwingende Maßnahme der EU-Verordnung zum Schutz der Verbraucher vor BSE ist die Kennzeichnung von Schlachtabfällen durch Einfärbung. Diese Schutzmaßnahme wurde bis zum Jahr 2007 gar nicht umgesetzt. Erst seit 2008 ist ein Marker zur Kennzeichnung von Kat-3-Material vorgeschrieben, und der ist farblos, geruchlos und ungiftig – lediglich im Labor ist der Stoff nachweisbar!
Im September 2007 stellten die deutschen Verbraucherschutzministerien fest, dass… „die Einführung der freien Handelbarkeit ehemals beseitigungspflichtiger Schlachtabfälle (Material der Kategorie 3) durch die Verordnung (EG) Nr. 1774/ 2002 einen schwer kontrollierbaren Markt eröffnet hat, der das Einschleusen ungeeigneter Materialien in die Lebensmittelkette begünstigt. Dies zeigen die bekannt gewordenen Fälle („Gammelfleischskandale“) der vergangenen Jahre.“

Referenz:
foodwatch.de, 19.11.2010