Trauriger Rekord: Die Deutschen essen immer mehr Fleisch!

Die Produktion von Fleisch erreichte im letzten Jahr eine Rekordzahl von 8,0 Mio. Tonnen. Im Jahr 2009 wurde nach Aussagen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) noch 302.000 Tonnen weniger Fleisch produziert.

Vor allem Schweine mussten 2010 für die Gaumenlust ihr Leben lassen: 5,4 Millionen Tonnen Schweinefleisch landeten auf den Tellern, gefolgt von Geflügelfleisch mit 1,4 Tonnen und Rindfleisch mit 1,2 Tonnen.

Tierart Einheit 2010 Veränderung gegenüber Vorjahr in % 4. Quartal 2010 Veränderung gegenüber Vorjahreszeitraum in %
Rinder insgesamt 1 000 Tiere 3 737,9 – 0,0 1 041,0 – 0,5
1 000 Tonnen 1 185,2 0,9 329,8 1,2
davon:
Ochsen und Bullen 1 000 Tiere 1 555,0 – 0,2 437,3 0,2
1 000 Tonnen 582,9 0,9 164,3 0,6
Kühe 1 000 Tiere 1 331,4 – 3,0 363,2 – 0,3
1 000 Tonnen 405,9 – 1,7 110,2 1,3
Färsen 1 000 Tiere 508,1 6,6 145,3 3,7
1 000 Tonnen 148,6 8 42,2 4,6
Kälber 1 000 Tiere 315,2 4,4 87,6 1,2
1 000 Tonnen 43 5 11,9 0,8
Jungrinder 1 000 Tiere 28,2 – 2,4 7,6 – 2,4
1 000 Tonnen 4,8 – 3,4 1,3 – 18,3
Schweine 1 000 Tiere 58 138,9 3,7 14 979,5 2,8
1 000 Tonnen 5 441,6 3,8 1 405,1 3,2
Lämmer 1 000 Tiere 816,5 3,6 248,2 5,9
1 000 Tonnen 15 3,8 4,6 6
Übrige Schafe 1 000 Tiere 157,6 – 14,4 53,3 – 6,7
1 000 Tonnen 4,8 – 14,1 1,6 – 6,2
Ziegen 1 000 Tiere 23,2 5,6 6,5 19,5
Pferde 1 000 Tiere 9,2 1,4 3 8,7
Ziegen und Pferde 1 000 Tonnen 2,8 2 0,9 10
Zusammen 1 000 Tonnen 6 649,4 3,3 1 742,0 2,8
Geflügel 1 000 Tonnen 1 379,6 7 357,8 5,8
darunter:
Jungmast-hühner 1 000 Tonnen 802,8 7,1 206,1 6,3
Enten 1 000 Tonnen 61,3 – 1,8 17 – 4,4
Truthühner, Perlhühner 1 000 Tonnen 478,5 9,2 124,3 7,9
Insgesamt 1 000 Tonnen 8 029,0 3,90 2 099,8 3,30

Kommentar:
Angesichts der Klimaproblematik, des Welthungers, der zunehmenden Verknappung des Trinkwassers etc. ist das ein elendiges Ergebnis – ganz zu schweigen vom unsagbaren Leid der Tiere, nur weil wir darauf bestehen,  Fleisch zu essen.

Quelle:
destatis.de

MRSA-Erreger auf Geflügel

Wer gerne Geflügel ißt, sollte nicht zimperlich sein: Auf Geflügelfleisch tummeln sich bevorzugt multiresistente Keime. Das haben Recherchen der Redaktion REPORT Mainz ergeben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, das bundesweite Studien durchführte, untersuchte 2.500 Fleischproben aus dem Einzelhandel und stellte eine enorme Belastung mit MRSA-Erregern (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) fest: Schweinefleisch mit 15,8  Prozent, Putenproben mit 42,2 Prozent und Hähnchenfleischproben mit 22,3 Prozent.

Insbesondere Geflügel ist mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.
Dr. Bernhard-Alois Tenhagen vom BfR  sieht das mit großen Sorgen: „Das ist sicherlich ein gravierendes Problem für den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Wenn diese Erreger resistent sind gegen ein oder mehrere Antibiotika, dann schränkt das natürlich die Möglichkeit der Ärzte, die Menschen, die infiziert sind, zu behandeln, deutlich ein. Und das ist dann schon ein erhebliches Problem.“

Wer dieses Geflügel anfasst oder mit dem Auftauwasser in Kontakt kommt, kann, wenn er beispielsweise nur minimale Verletzungen hat, mit dem Keim infiziert werden und eine Hautweichgewebeinfektion oder eine Blutvergiftung erleiden.

Die Verwendung eines hohen Antibiotikaeinsatzes in der Tiermast bringt diese multiresistenten Keime hervor.

Obwohl diese Zusammenhänge bekannt sind, werden in der Geflügelmast von  staatlicher Seite aus keinerlei Kontrollen über die Einsatzmenge von Antibiotika durchgeführt.

Referenz:
SWR.de, Report Mainz, 20.09.2011: Gefährliches Geflügel

Wie reagieren deutsche Discounter auf den Wiesenhof-Skandal?

Die katastrophalen Zustände in der Tiermast halten sich nur deshalb, weil Abnehmer und Verbraucher gerne wegschauen. Die Discounter, die im großen Stil von Wiesenhof beliefert werden, und von denen Wiesenhof finanziell abhängig ist, tragen deshalb auch eine moralisch Verantwortung, für das, was in der „Produktionskette“ geschieht.

Ich wollte es genau wissen, ob deutsche Discounter es einigen schweizern Diskountern gleichtun und sich von Wiesenhof distanzieren. Deshalb habe ich am 22.09.2011 Kaufland, REWE, Famila, Aldi Nord, Aldi Süd, Tegut, Real und EDEKA per E-Mail angeschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des Wiesenhofskandals, Sendung vom 31.08.2011 in der Sendereihe ARD-exklusiv, „Das System Wiesenhof – wie ein Geflügelkonzern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet“, wende ich mich als Verbraucher mit der Frage an Sie, ob Sie als Anbieter von Wiesenhof-Produkten irgendwelche Konsequenzen ziehen werden.

Die schwer erhobenen Vorwürfe gegen Wiesenhof aufgrund der tierquälerischen Haltung gingen durch die Presse und sind hinreichend bekannt, deswegen formuliere ich meine Frage ganz konkret: Werden Sie weiterhin Wiesenhof-Produkte in Ihrem Sortiment führen, ja oder nein?

Ich hoffe sehr, dass ich eine positive Antwort im Sinne des Tierschutzes von Ihnen erhalte.

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

Zwei haben am selben Tag noch  geantwortet:  Famila und  REWE:

Famila, 22.09.2011:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre Email, zu der wir gern Stellung nehmen. Bereits im Januar 2010 gab es einen Bericht über Wiesenhof, der über Report Mainz ausgestrahlt wurde. Eine ehemalige Pächterin hatte Filmmaterial, zur Verfügung gestellt, das auf ihrer Farm im Jahr 2009 aufgenommen und in dem Bericht verwendet wurde. Das gleiche Filmmaterial wird nun in diesem neuen Bericht, ausgestrahlt am 31. August 2011 über ARD-exklusiv, verwendet.

Die Pächterin selbst war verantwortlich für das Wohl der Tiere auf der Farm, weshalb die gezeigten Zustände ausschließlich ihr Verschulden waren. Die Firma Wiesenhof hatte sich bereits im Jahre 2009 wegen der unhaltbaren Zustände auf dem Hof von diesem Betrieb getrennt, und im Jahre 2010 nach Veröffentlichung der Bilder gegen die Pächterin Klage wegen Tierquälerei erhoben.

Nach der Ausstrahlung des Reports im August haben wir sofort mit dem

Unternehmen Wiesenhof Kontakt aufgenommen, um deren Stellungnahme zu den Vorwürfen einzufordern. Zudem ergab ein weiteres, außerplanmäßiges Lieferantenaudit, dass alle Kontrollen in Ordnung waren. Die Firma Wiesenhof nimmt auf ihrer Seite http://newsroom.wiesenhof-online.de/ umfassend zu den Vorwürfen Stellung.

Die Nutztierhaltung ist gesetzlich geregelt, so dass Tiere tiergerecht gehalten werden müssen. Tierquälerei darf natürlich nicht vorkommen! Wir blicken auf eine langjährige, gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Firma Wiesenhof zurück und uns ist bekannt, dass die im ARD-Report gezeigten Bilder nicht der Standard in Wiesenhof Betrieben ist.

In einem so großen Unternehmen wie Wiesenhof, dem 800 Tierfarmen angeschlossen sind, ist es nicht immer einfach, alle Verstöße gegen die Nutztierhaltung zeitnah aufzudecken, die möglicherweise auch durch Fremdfirmen begangen werden. Eine 100%ige Sicherheit gibt es somit zwar bedauerlicherweise nicht, doch Wiesenhof und auch Händler wie famila sind auf das Äußerste bemüht, durch ständige amtliche und nichtamtliche Kontrollen, zu prüfen, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden und um mögliche Missstände aufzudecken und zu beheben!

Famila arbeitet eng mit verschiedenen Tierschutzorganisationen zusammen – die bekannteste davon ist zum Beispiel Vier Pfoten – um auch von nichtamtlicher Seite Berichte zu erhalten, ob Verstöße gegen den Tierschutz in einzelnen Betrieben vorliegen. Dies wurde uns bislang jedoch nicht bestätigt, so dass wir auch weiterhin unser Vertrauen in Wiesenhof setzen.

Wir freuen uns, wenn wir Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen konnten und wenn wir Sie bald wieder bei famila begrüßen dürfen.

Mit vielen sonnigen und freundlichen Grüßen

xxxxx

– FAMILA Kundenservice –

Kommentar:

Wiesenhof also völlig unschuldig? Ich will fair sein: Mir ist bekannt, dass bei den Drehs solcher Reportagen gerne auch auf älteres Bildmaterial zurückgegriffen wird, was dann auch ein verzerrtes Bild wiedergeben kann. Dennoch: Der ganze Film handelt ja nicht ausschließlich von dieser Pächterin, die die Zustände ihres Stalles durch eigenes Bildmaterial dokumentiert hatte und ggf. ebenfalls eine Mitschuld trägt.

Es wurden in der ARD-Reportage weitere  Mastbetriebe  mit schlimmen Zuständen gezeigt;  Peta und eine andere Tierschutzorganisation drehten dort undercover.

Dass Wiesenhof, die Pächterin anzeigt ist logisch: Diese Frau hat die Missstände schließlich als Insider an die Öffentlichkeit gebracht und hat möglicherweise (vielleicht auch nicht) auch eigene Versäumnisse zu verschulden. Die Frage drängt sich allerdings auf, ob Wiesenhof nicht einfach nur den Spieß umdrehen möchte, um von sich abzulenken.

Famila macht es sich nach meiner Meinung sehr sehr leicht…


REWE, 22.09.2011:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre Nachricht und die damit verbundene Mühe, uns Ihr Anliegen zu schildern.

Wir teilen Ihre Verärgerung und können Ihnen mitteilen, dass die REWE Group auf die ARD-Reportage „Das System Wiesenhof“ vom 31. August 2011 unmittelbar reagiert und die Geschäftsführung von Wiesenhof zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. Die REWE Group erwartet von Wiesenhof eine lückenlose und zweifelsfreie Aufklärung der in diesem Beitrag gemachten Vorwürfe und distanziert sich mit aller Entschiedenheit von sämtlichen tierquälerischen Praktiken. Wir behalten uns vor, soweit Wiesenhof Produkte bezogen werden, diese durch Alternativlieferanten zu ersetzen.

Tierschutz hat für die genossenschaftliche REWE Group einen hohen Stellenwert. Daher toleriert das Unternehmen keine Verstöße dagegen, ganz gleich ob diese von einem Lieferanten oder einer von ihm beauftragten Firma begangen wurden.

Zwischenzeitlich hat uns Wiesenhof mitgeteilt, einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Haltungsbedingungen in den Ställen schnellstmöglich umzusetzen. Dies ist uns noch nicht genug: Um unser und das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen, haben wir Wiesenhof aufgefordert, kurzfristig wesentlich mehr für den Tierschutz zu tun. Darüber hinaus liegt uns bereits eine Zusage vor, dass die REWE Qualitätssicherung eigene und unangemeldete Kontrollbesuche in den Wiesenhof-Betrieben vornehmen kann. Wir werden alle eingeleiteten Maßnahmen einer umfassenden Kontrolle unterziehen und davon unsere weitere Geschäftsbeziehung abhängig machen.

Uns geht es im Dialog mit Wiesenhof darum, eine dauerhafte Verbesserung etwaiger Missstände zu erzielen. Eine kurzfristige Auslistung ist aus unserer Sicht ein probates Mittel der Problemvermeidung. Damit ist aber weder den Tieren noch dem Gedanken des Tierschutzes geholfen. Verantwortung für zukünftige Generationen zu übernehmen, heißt für uns eben auch, sich einem Problem zu stellen und gemeinsam mit einem Lieferanten an einer Lösung zu arbeiten.

Der Einkauf auf dem Bauernhof ist sicherlich eine individuelle Variante, den eigenen Bedarf an Lebensmitteln zu decken. Allerdings reicht allein die Kapazität dieser Höfe bei weitem nicht aus, um ein Volk von knapp 80 Millionen Menschen dauerhaft mit Lebensmitteln zu versorgen. Ganz zu schweigen von der Bezahlbarkeit von Lebensmitteln.

Die REWE Group bietet ihren Kunden ein umfassendes Sortiment an regionalen bzw. heimischen Produkten, an Lebensmitteln aus biologischem Landbau oder neuerdings an nachhaltigeren Lebensmitteln (Pro Planet) an.

Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung dieser Produzenten bzw. Produktionsformen. Mehr noch: Wir werden den Anteil dieser Lebensmittel am Sortiment weiter ausbauen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen weiter helfen konnten und wünschen Ihnen ein schönes Wochenende

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

REWE GROUP

Kommentar:

Es ist gut, dass REWE von Wiesenhof bessere Tierschutzbedingungen einfordert und auch eigene Kontrollen durchführen möchte.  Mein volles Vertrauten bekommt Wiesenhof  und REWE aber erst, wenn kritische Kontrolleure, z.B. Peta, ebenfalls freien Zugang zu den Ställen gewährt wird, um sich über die Fortschritte zu informieren.


25.09.2011, Aldi Süd:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Um für unsere Kundinnen und Kunden Frische und Sicherheit bei unseren Fleischprodukten zu garantieren, setzen wir auf umfassende und stetige Qualitätskontrollen der Waren durch unabhängige Lebensmittelinstitute. Überprüfungen finden entlang der gesamten Lebensmittelkette statt: Von der Schlachtung und Verarbeitung über die Lagerung bis hin zum Verkauf werden Qualitätsdimensionen wie Frische, Aussehen, Inhaltsstoffe und Geschmack des Fleisches laufend kontrolliert.

Die Lieferanten unserer in der Kühlung angebotenen Frischfleisch-Produkte müssen neben der obligatorischen Zertifizierung nach dem International Featured Standard (IFS) auch Partner des anerkannten QS-Prüfsystems sein. So können wir sicherstellen, dass alle Verarbeitungsschritte bis zum Endprodukt genau dokumentiert werden. Überprüft werden unter anderem Tiergesundheit und Futtermittel bei der Aufzucht, Tierschutz beim Transport, Hygienestandards bei Aufzucht und Verarbeitung sowie die Produktqualität und die Einhaltung der Kühlkette.

Gerne teilen wir Ihnen in diesem Zusammenhang mit, dass unsere Lieferanten von Frischgeflügel Partner des 5-D-Herkunftssicherungssystem sein müssen. Die fünf D auf der Verpackung garantieren, dass das Tier, ebenso wie bereits die Elterntiere, in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, mit Futter aus deutscher Produktion ernährt und in Deutschland geschlachtet und verarbeitet wurde. Zudem stammen die Geflügelrohstoffe ausschließlich von Tieren, die nur mit NON-GMO-Soja gefüttert wurden.

Bezüglich der TV-Reportage möchten wir Sie bitten, sich direkt an die Firma „Wiesenhof“ zu wenden. Gerne verweisen wir dabei auf die Homepage des Lieferanten (www.wiesenhof-online.de).

Mit freundlichen Grüßen

Kommunikation

ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Kommentar:

War das jetzt die Antwort auf meine präzise formulierte Frage? Ich  frag am selben Tag per E-Mail nach:

Sehr geehrte Damen und Herren,

besten Dank für Ihr Antwortschreiben auf meine E-Mail vom 22.09.2011. Leider haben Sie meine Frage nicht beantwortet, die lautete, ob Sie Konsequenzen aus dem Wiesenhof-Skandal ziehen und weiterhin Wiesenhof-Produkte anbieten.

Gerne erwarte ich Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

Update: Heute, am 27.09.2011, die Antwort von Aldi Süd auf mein gestriges E-Mail

Sehr geehrte Frau xxxx,

Ihre erneute Anfrage bezüglich der Firma „Wiesenhof“ haben wir erhalten. Wir möchten Ihnen versichern, dass wir uns dieses Themas durchaus bewusst und entsprechend sensibilisiert sind. Wir befinden uns kontinuierlich im engen Dialog mit unseren Lieferanten, um solche aktuellen Themen und Entwicklungen rund um das Thema „Tierschutz“ zu erörtern.

Bitte seien Sie versichert, dass wir uns im Sinne unserer Kundinnen und Kunden intensiv mit der Thematik auseinandersetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Kommunikation

ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Kommentar:

Also wieder keine Antwort auf die Frage, ob sie Konsequenzen aus dem Wiesenhof-Skandal ziehen!


Update, 26.09.2011,  Tegut:

Sehr geehrte xxxx,

vielen Dank für Ihre Nachricht und das Interesse, das Sie tegut… damit entgegenbringen.

Uns haben die Meldungen in den Medien über Wiesenhof und die dortige Geflügelhaltung ebenso erschrocken, gar geschockt.

Die gezeigten Bilder und beschriebenen Zustände entsprechen in keiner Weise unserem Bild von einem respektvollen Umgang mit Tieren.

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass es wichtig ist, den Prozess des Schlachtens und die Zeit davor mit besonderem Bedacht zu gestalten und dabei zu bedenken, dass wir es mit Mitgeschöpfen zu tun haben. Nur mit diesem Bewusstsein wird es uns gelingen, unserer Verantwortung gerecht zu werden.

Wir wissen, dass es in großen Unternehmen schwierig ist, vom Verhalten Einzelner auf das gesamte Unternehmen zu schließen, und gleich davon auszugehen, dass hier ein Prinzip eines Unternehmens dahinter stecken würde.

Für uns ergibt sich aus den Vorfällen daher zunächst die Verantwortung, mit unserem Lieferanten Wiesenhof die Vorfälle zu klären und aufzuarbeiten.

Wir sehen eine Auslistung im Augenblick als zu kurzfristige Lösung an. Sie ist nach unserer Meinung wenig geeignet, die Situation zum Besseren hin zu gestalten, da dieser Schritt auch den Tieren, die zur Zeit noch aufgestallt sind, nicht helfen würde.

Erste Gespräche finden im Oktober statt. Danach werden wir den Sachverhalt neu beurteilen.

Für alle, die Alternativen zu Wiesenhof suchen, bieten wir im Bereich der Bedientheke und auch im Selbstbedienungsbereich konventionelle Ware von anderen Lieferanten an. Als weitere Alternative bieten tegut… Märkte seit jeher Geflügelprodukte in Bio-Qualität an. Diese Produkte sind sowohl in Selbstbedienungsbereich als auch in der Bedientheke zu bekommen.

Haben Sie Fragen oder benötigen Sie weitere Informationen? Antworten Sie uns unter folgender Email-Adresse: info@tegut.com

Mit freundlichen Grüßen

xxxx, Kundenbetreuung

Update, 27.09.2011,  Kaufland

Sehr geehrte Frau xxxx

vielen Dank für Ihre Nachricht vom 23.09.2011.

Im Rahmen der Sortimentsgestaltung setzt Kaufland sich aktiv für den Tierschutz ein – dies ist ein wichtiger Bestandteil unserer Einkaufspolitik. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Tieren ist uns dabei wichtig, daher nehmen wir derartige Vorwürfe sehr ernst.

Die in der Reportage „ARD-exklusiv“ dargestellten Sachverhalte entsprechen nicht den Anforderungen, die wir an unsere Lieferanten stellen und sind nicht mit unserer Geschäftspolitik vereinbar. Wir stehen mit Wiesenhof in persönlichem Kontakt und fordern zwingend die Einhaltung von Tierschutznormen sowie die Durchführung von konsequenten und zielgerichteten Maßnahmen, um derartigen Missständen vorzubeugen bzw. diese abzustellen.

Grundsätzlich sind wir bestrebt, unser Angebot an Produkten aus alternativen Haltungsformen kontinuierlich auszubauen und entsprechende Produkte in unser Sortiment aufzunehmen. So bieten wir in unseren Filialen beispielsweise Freilandhähnchen der Marke „Nature & Respect“ an. Zudem haben wir gemeinsam mit einem Lieferanten und einer Tierschutzorganisation Maßnahmen initiiert, um Haltungsstandards zu etablieren, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Ausführungen weiter helfen konnten und sind weiterhin gerne für Sie da.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Kaufland Kundendienst-Center

Meinen Antwort an Kaufland am selben Tag:

Sehr geehrte Frau xxxx

vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie schreiben, Sie sind in Kontakt mit Wiesenhof, um bessere Tierschutzbedingungen einzufordern. Das freut mich, gerne höre ich demnächst wieder von Ihnen per E-Mail, um mich über die erfolgreiche Durchsetzung konkreter Tierschutzverbesserungen zu informieren.

Mi freundlichen Grüßen

xxxx

Fleisch kranker Tiere – ganz legal auf unseren Tellern. Teil 2

Der Landwirt Mario Kuder,  dessen Rinder mit dem Bakterium Clostridium Botulinum infiziert waren, hat seit vier Monaten seinen Bestand aufgegeben. Ein ARD-Team besuchte noch einmal Kuder, dessen Familie selbst an Botulismus erkrankt ist, und wollte genau wissen, wie alles gelaufen ist. Am 07.09.2011 teilte die ARD in der Sendereihe „Extra“ mit dem Titel „Geschmacklose Geschäfte – was am Ende wirklich auf unseren Tellern landet“ ihre Recherchen in Form eines Filmes ihren Zuschauern mit:

Bevor sich Landwirt Kuder von seinen Tieren trennte, stuften Wissenschaftler der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig 60 der 100 verbliebenen Tiere als klinisch krank ein.

Eine Rückfrage von Seiten der ARD bei Jürgen Neuhaus von der Universität Leipzig ergab, dass alle Tiere, also auch die 60 klinisch kranken, geschlachtet wurden. Die Rinder wiesen klinische Symptome auf wie Lahmheit, Hautveränderungen, schlechtes Bewegungsbild; manche waren abgemagert und in einem recht schlechten Zustand. Neuhaus hätte das Fleisch dieser Tiere nicht essen wollen.

Die Leiterin des Uni-Instituts Prof. Monika Krüger ist empört. Sie hält die Schlachtung dieser Tiere für einen klaren Gesetzesverstoß. „Deswegen haben wir doch ein Lebensmittelgesetz und ein Fleischhygienegesetz, dass solche Tiere eben nicht in den Schlachtprozess hineinkommen sollen!“ – so Krüger.

Auch Prof. Helge Böhnel, Veterinärmediziner, hält das Schlachten von kranken Tieren für sehr verantwortungslos: „Wenn sie ein krankes Tier schlachten – vielleicht passiert gar nichts. Aber es könnte natürlich sehr viel passieren. Dass eben aus diesen Lebensmitteln eine Infektion entsteht bei vielen Leuten, die diese Lebensmittel zu sich genommen haben!“

Außerdem: „Wenn ein Tier, trotzdem es klinisch erkrankt ist, geschlachtet wird, widerspricht das dem Fleischbeschaugesetz und ist verantwortungslos gegenüber dem Verbraucher, der erwartet, dass nur gesunde Tiere geschlachtet werden!“

Ein Viehhändler aus dem thüringischen Schleiz hatte die Rinderherde von Kuder aufgekauft. Die zuständige Viehhändlerin Christina Rösch behauptete, die Tiere wären alle gesund gewesen. In einem Schreiben des zuständigen Veterinäramtes des Vogtlandkreises waren 40 Tiere als gesund deklariert worden. Aufgekauft und zum Schlachter gebracht hatte die Viehhändlerin aber die ganze Herde, also alle 100 Rinder. Von gekauften kranken Tieren will sie nichts wissen und redet sich heraus, dass in dem amtlichen Schreiben des Veterinäramtes nichts von klinisch kranken Tieren gestanden habe.

Das zuständige Veterinäramt des Vogtlandes, das eine Schlachtung nicht verhindert hat, schweigt dazu. Und der Schlachtbetrieb im 400 km entfernten Pforzheim räumt ein, dass die Tiere keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hätten.

Kuders Geschichte ist eine von vielen Viehbauern in Deutschland, deren Herden mit Botulismus „verseucht“  sind – nur, dass davon nichts an die Öffentlichkeit gelangt. Experten schätzen, dass es in Deutschland an die 1000 Höfe gibt.

Na dann: Guten Appetit.

Referenz:
www.mdr.de/exakt/botulismus100.html

Fleisch kranker Tiere – ganz legal auf unseren Tellern. Teil 1

In Deutschland gelangen todkranke Rinder, die eigentlich aussortiert gehören, ungehindert in die Nahrungskette. Es geht um die Rinderseuche „Botulismus“, einer Erkrankung, die durch das Bakterium Clostridium Botulinum ausgelöst wird. Die ARD hat bei einem betroffenen Bauer im Vogtland recherchiert, in dessen Kuhstall seit 2006 der Botulismus-Erreger grassiert. Im April 2011 wurde in der Sendereihe „ARD exakt“ ein Film ausgestrahlt mit dem Titel „Fleisch kranker Tiere – was landet auf unseren Tellern?“. Dieser Film vermittelt ein gutes Bild über den Zustand der Tiere des Landwirts Mario Kuder:

Viele der kranken Tiere sind abgemagert, können kaum noch stehen, und man sieht, dass sie große Schmerzen erleiden müssen. Kuder muss immer wieder tote Tiere aussortieren. Er gibt zu, dass er bisher an die 400 kranke Tiere innerhalb von 5 Jahren verloren hat.

Hunderte von Rindern aus seinem Bestand hat er bisher ungehindert zum Schlachten gebracht – trotz grassierenden Befalls mit Botulismus. Alles ganz legal: Das zuständige Veterinäramt teilte ihm schriftlich mit, dass der Befall des Bestandes mit chronischem Botulismus kein Schlachtverbot bewirkt. Denn von offizieller Seite wird diese Erkrankung keineswegs als Seuche eingestuft: „Mangels entsprechender wissenschaftlicher Erkenntnisse kann danach bisher weder von einer Übertragbarkeit zwischen Tieren oder von Tieren auf Menschen… ausgegangen werden.“  Soweit das Zitat des Bundeswirtschaftsministeriums.

Mit diesem „Freibrief“ landeten und landen in Deutschland Unmengen von Tieren, die mit Botulismus infiziert waren und sind, auf den Tellern der Verbraucher.

Professor Monika Krüger, Mikrobiologin an der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, beobachtet das mit großer Sorge: „Es handelt sich hier um ein seuchenhaftes Geschehen; die Tiere erkranken in einem bestimmten Zeitraum, es erkranken eine Vielzahl von Tieren, und damit sind aus meiner Sicht die Kriterien eines seuchenhaften Geschehens erfüllt.“

Kuder und seine Familie haben am eigenen Leib erfahren müssen, dass der Erreger des Botulismus auch vor Menschen  nicht Halt macht: Er selbst leidet an Augenschmerzen, Gelenkschmerzen, Fußschmerzen und an Lähmungserscheinungen.

Der Neurologe Professor Dirk Dreßler hat als erster Wissenschaftler die Übertragbarkeit von Botulismus vom Tier auf den Menschen nachgewiesen. Er bestätigt, dass die Symptome des Botulismus bei Mensch und Tier identisch sind, und warnt davor, dass erkrankte Tiere zum Schlachten freigegeben werden: “…Das stellt ein potentielles Risiko dar. Das Ausmaß dieses Risikos können wir nicht abschätzen. Aber zumindest ist das keine Situation, die für uns als Ärzte tolerabel ist.“

Außerdem meint er: „Keiner würde sehenden Auges ein solches Risiko eingehen wollen. Ich glaube, hier handeln Menschen ganz intuitiv aus einem nachvollziebaren Sicherheitsbedürfnis und würden sagen: Solches Risiko ist nicht kalkulierbar, solches Risiko würde ich nicht eingehen wollen!“

Und was hält das Verbraucherschutzministerium davon, dass mit Botulismus verseuchtes Fleisch in den Nahrungskreislauf gebracht wird?  Sie halten daran fest, dass im Schlachthaus die kranken Tiere ausgesondert würden.

Dazu Prof. Helge Böhnel, Verterinärmediziner: „Diese Erkrankung hat keine sichtbaren Zeichen, also am Schlachtkörper sieht man keine Veränderungen, dass man sagen kann, dieses Tier ist am Botulismus erkrankt. Das heißt also, die normale Fleischbeschau kann das gar nicht feststellen.“

Die Frage, ob infizierte Tiere, denen man die Erkrankung von außen nicht unbedingt ansieht, geschlachtet würden und dann in den Nahrungsmittelkreislauf gelangen, bejaht er.

Referenz:
www.mdr.de/exakt/artikel111180.html
www.youtube.com/watch?v=ev6hOeog5jU


Filmrückschau: „Das System Wiesenhof – wie ein Geflügelkozern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet“

Wer gerne Hähnchen isst, greift im Kühlregal meistens zu einer Packung der Marke „Wiesenhof“. Eine Großpackung gibt’s immerhin schon für nur Euro 3,29. Wiesenhof mit seinem Konzern ist Deutschlands größter Geflügelmastbetrieb und gehört zur PHW-Gruppe. Der Konzern macht Milliardenumsätze: Jährlich müssen dafür mehr als 200 Mio. Geflügel ihr Leben lassen und zuvor ein qualvolles Dasein fristen.

Billigfleisch hat seinen Preis. In der Sendereihe „ARD-exklusiv“ wurde am 31.08.2011 ein Film ausgestrahlt mit dem Titel: „Das System Wiesenhof – wie ein Geflügelkonzern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet“. Dieser Film ging unter die Haut. Die ARD hat in Zusammenarbeit mit der Tierrechtsorganisation PETA und mit anderen Tierschutzorganisationen die skandalösen Zustände aufgedeckt.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

An der Spitze des Konzerns steht der Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann. In der Öffentlichkeit stellt er sich als einen moralisch verantwortungsvollen Unternehmer dar. In einem Werbefilm seiner Firma erklärt er, wie er schon als Schüler die Kücken aufgezogen hat und erklärt stolz: „…so bin ich hineingewachsen und habe den Einklang von Mensch, Tier und Umwelt erlebt.“ Ähnlich lautet auch der Firmenslogan von PHW: Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt.

Nur, weder der Firmeninhaber Paul Heinz Wesjohann noch Wiesenhof, samt PHW-Konzern scheinen dem annähernd gerecht zu werden – ganz im Gegenteil: wenn man den ARD-Recherchen Glauben schenkt. Aber diese wurden mit Bildmaterial und Tonaufnahmen eindeutig und glaubhaft dokumentiert.

Das ARD-Kammerateam beginnt seine Recherche in Brandenburg mit dem Besuch einer ehemaligen Pächterin. Sie hatte 10 Monate lang die Odyssee der Tiere miterlebt. Kaum waren die Küken aus den Eiern geschlüpft, machten sie ein qualvolles Martyrium durch. Viele Hühner überlebten nicht bis zur Schlachtung. Sie sagt aus, dass es an schlimmen Tagen 20, 30 oder 40 tote Tiere gab, und räumt ein, dass die Tiere natürlich leiden. Sie stehen 10 Monate auf ihrem eigenen Mist. Die Pächterin, die es eigentlich besser hinkriegen wollte, hatte nach eigenen Aussagen keinen Handlungsspielraum. Stall, Hühner, Futter – alles wurde von PHW vorgegeben.

Bevor sie aufgab, dokumentierte sie die Zustände auf ihrer Farm. Sie filmte z.B., wie Hähne brutal geschleudert und in eine Kiste geschmissen wurden. Dazu sind die grauenvolle Angstschreie der Hähne zu hören. Sie erklärt, eine Gruppe von Leuten komme regelmäßig, um kranke Tiere auszusortieren. Sie beschreibt, wie sie einmal in den Eierraum musste, und aus einer Kiste das Blut floss. Die Tiere hätten nur noch apathisch in den Kisten gesessen. Diese Frau hat Albträume, die sie nicht mehr so schnell los wird.

Auf diese Vorfälle möchte Paul-Heinz Wesjohann nicht eingehen. Der Konzern tut diesen Tier-Skandal als bedauerlichen Zwischenfall ab. Dass die Tierquälerei bei Wiesenhof allerdings System hat, beweisen zahlreiche Bilder, die Tierschützer gemacht haben. Bei einem nächtlichen Einsatz der Tierschutzorganisation PETA auf einer Farm in Magdeburg, in der Wiesenhof-Hühnchen herangezogen werden, kommen weitere grauenvolle Bilder ans Licht: An die 25.000 Masthühner sitzen hier dicht an dicht am Boden. Es herrschen katastrophale Zustände. Sie sitzen auf ihrem eigenen Kot, viele Tiere sind krank und können nicht mehr aufstehen. Die Halle wirkt marode, Tiere verstecken sich in Mauernischen. Das Kammerateam entdeckt immer wieder tote Tiere. Im Hofgelände machen sie einen grauenhaften Fund: Weitere tote Hühner, zum Teil verwest und mit Maden übersät, finden sie in großen Tonnen auf dem Hofgelände.
Mit den Bildern wird der Geflügelexperte, Arzt und Buchautor Dr. Hermann Focke konfrontiert: Er ist entsetzt und erklärt, dass am Ende der Mast, also nach 28 bis 30 Tagen, die Tiere so dicht beieinander sein werden, dass sie sich gegenseitig bepicken. Die Tiere würden auf hohen Mastzuwachs gezüchtet werden, deshalb haben sie später Schwierigkeiten, auf ihren Ständern zu sitzen. Folglich stehen sie am Boden auf ihren Exkrementen, die so scharf sind, dass sie sich zum großen Teil die Fußsohlen verätzen. Das soll sehr schmerzhaft sein.

Eine riesige Hähnchenmastanlage der Firma Wiesenhof liegt in Lohne, Südost-Oldenburg. Hier werden wöchentlich mehr als 1,5 Millionen Hühner geschlachtet, und die Firma expandiert immer mehr. Aufgrund der Größe des Betriebes entsteht ein sehr hoher Wasserverbrauch. Ca. 90 Prozent der privaten Brunnen im Dorf sind mittlerweile versiegt. Die Anwohner müssen auch den Lärm und den Gestank der Anlage ertragen. Die Bürger sind verärgert.

In der Sendung wurde ein weiterer Film gezeigt, den eine Tierschutzorganisation in einer Geflügelfarm der Firma Wiesenhof in Bayern gedreht hatte. Auch auf dieser Farm vegetieren tausende von Hühnern dicht gedrängt am Boden. Es befinden sich zwischen den Hühnern etliche tote Tiere, die zum Teil schon festgetreten wurden und offensichtlich schon sehr lange dort liegen.

Mit diesen Bildern konfrontiert das ARD-Team den Firmenchef Paul-Heinz Wesjohann. Und hier das Interview:

ARD-Team:
Sie sagen, Sie nehmen Verantwortung wahr für Mensch, Tier und Umwelt. Was heißt denn für Sie artgerechte, tiergerechte Produktion?

Paul-Heinz Wesjohann:
Es gibt nur tiergerechte Haltung, und tiergerechte Haltung bedeutet, dass sich die Tiere wohlfühlen in dem Stall.

ARD-Team:
Woher wissen sie das, ob sich die Tiere in ihren Ställen wohlfühlen?

Paul-Heinz Wesjohann:
Also das kann man sehen, und im Übrigen ist es so, dass der Landwirt das macht. Und sie glauben doch nicht, dass ein Landwirt seine Tiere vorsätzlich quält – im Gegenteil, er wird sie gesund halten, und er wird sie deshalb auch gesund halten, weil er nur gesunde Tiere bezahlt bekommt.

ARD-Team:
Wenn sie jetzt sagen, die Tiere fühlen sich wohl – wir haben hier Bilder aus dem Stall in Möckern, das ist jetzt ihre Farm da (ihm wird ein Notebook mit einem Film über einen Wiesenhofstall gereicht; die Aufnahmen zeigen, dass in einem Stall abertausende von Hühnern dicht an dicht gedrängt sind). Das ist jetzt ihre Farm in Pöthen, die gehört zu Möckern. Ist das hier artgerechte Tierhaltung?

Paul-Heinz Wesjohann:
Ich kann das hier nicht erkennen, ob das da herkommt. Ich kenne nicht alle Ställe. Insofern kann ich dazu keine Stellung abgeben – abgesehen davon, die Tiere, wie sie sich dort bewegen, fühlen sich wohl.

ARD-Team:
Wir haben hier ein totes Tier.

Paul-Heinz Wesjohann:
Es ist so, auch in einer Stadt mit 20.000 oder 40.000 sterben auch Menschen, oder es geht ihnen nicht so gut. Wir sagen ja nicht, dass ein Tier nicht sterben kann.

ARD-Team:
Sie sagten, ein paar können schon mal sterben. – Es ist an diesem Stall… da waren 5 riesige Tonnen gefüllt mit toten Tieren.

Paul-Heinz Wesjohann:
Es tut mir leid, ich weiß nicht, wo sie die Tonnen herhaben, also das kann…

ARD-Team:
Die Bilder sind von ihrem Stall aus Wiesenhof – Möckern.

Paul-Heinz Wesjohann:
Das glaub ich nicht, das ist mir nicht bekannt, und ich weise das hiermit auch zurück.

Soweit das Interview

Man sieht auf dem Film, dass die Tonnen eindeutig einer Wiesenhof-Farm zugeordnet werden können, da auch Firmenschilder gefilmt wurden.

Wie der ARD-Beitrag zeigt, fällt Wiesenhof inklusive PHW-Konzern nicht nur aufgrund großer Misstände in der Tierhaltung auf, sondern auch aufgrund mangelnder Hygienebedingungen in der Fleischverarbeitung und minimaler Entlohnung der Mitarbeiter.

So ist der Schlachthof in Möckern immer wieder in die Schlagzeilen geraten, wie Bilder von „Stern“ belegen: Schimmel an den Wänden, Fäkalienspuren auf den Hähnchen. Hier werden wöchentlich 600.000 Tiere betäubt, geschlachtet und in Stücke zerlegt. Aus Internet-Bildquellen, die im ARD-Film gezeigt wurden, sieht man, wie Fleischbeschauer an einem Band stehen, um hier kranke, unbrauchbare Tiere auszusortieren. Doch das Band läuft viel zu schnell, die Fleischbeschauer haben für die Begutachtung und Aussortierung pro Tier nur 0,8 Sekunden Zeit. Viel zu wenig, wie schon das Landesverwaltungsamt in einem Protokoll festgestellt hat. Pro Tier müssten es mindestens 1,5 Sekunden sein, wogegen sich die PHW – mit größter Wahrscheinlichkeit aus Profitgier –  lange Zeit gewehrt hat. Ein Rechtsanwalt, der die Interessen der Fleischbeschauer vertritt, hält die hohe Bandgeschwindigkeit für gesundheitsgefährdend und geradezu unverantwortlich.

Wesjohann hält die ganze Depatte um die Bandgeschwindigkeit für eine Lapalie: Es komme nicht auf die Sekunden an, sondern auf die Effektivität des Fleischbeschauers. Es komme wesentlich darauf an, dass gesunde Tiere aus den Ställen rüberkommen. Das wäre der entscheidende Punkt. So drückte er sich aus.

Die Frage an ihn, ob auch kranke Tier in Möckern geschlachtet worden wären, verneint er natürlich rigeros. Ein Insider jedoch, der jahrelang dort tätig war und es wissen muss, sagt etwas ganz anderes und packt aus. Er gibt zu, dass viele untaugliche Tiere, deren Organe z.B. nicht in Ordnung sind, weiter in die Produktion gingen, deshalb, weil die Fleischkontrolleure einfach nicht in der Lage seien,  stundenlang dieses Arbeitstempo durchzuhalten.

Jetzt hat die Aufsichtsbehörde dem einen Riegel vorgeschoben. Bis auf Weiteres darf von Möckern kein frisches Geflügel mehr in den Verkehr gebracht werden, und es müssen mehr Kontrolleure eingestellt werden.

Wie geht es den Menschen, die dort arbeiten? Viele Fleischzerleger kommen aus Osteuropa und sind über Subunternehmer beschäftigt. Befragungen von Leuten, die in einer Kaserne untergebracht waren, ergaben, dass sie 5,50 Euro in der Stunde verdienen und für die Miete in den einfach eingerichteten Mehrfachzimmern 120 bis 150 Miete bezahlen müssen.

Auch das ist Wiesenhof, wie zum Schluss des ARD-Berichts gezeigt wird: In einer Putenfarm in Cloppenburg werden Tiere, die zum Schlachten verladen werden, brutal misshandelt: durch die Halle geschleudert, getreten, totgetreten, schwer verletzt und brutal auf den LKW geworfen. Alles im Auftrag von PHW: für Mensch, Tier und Umwelt.

Referenz:
www:ardmediathek.de

Etikettenschwindel: Tierwohl-Siegel für Schlachttiere

Tierschützer setzten sich im Juni mit Vertretern eines großen europäischen Fleischkonzerns zusammen, um über ein so genanntes „Tierwohl-Siegel“ zu diskutieren. Es soll eingeführt werden, um den Verbrauchern kenntlich zu machen, dass das verwendete Tier unter besseren Lebensbedingungen gehalten wurde, als es den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Dabei sollen verschiedene Qualitätssiegel vergeben werden: Ein silbernes, wenn bestimmte Bedingungen bei der Schlachtungen erfüllt, die Tiere bei der Kastration gegen die Schmerzen betäubt und den Tieren die Kringelschwänze nicht mehr abgeschnitten werden.

Wer zusätzlich den Tieren noch Auslauf oder Freihaltung gewährt, kann mit einem Premiumlabel aufwarten. Dr. Brigitte Rusche vom Deutschen Tierschutzbund erklärt, dass die Zielgruppe konventionelle Fleischproduzenten und der Massenmarkt sein soll. Ab Herbst sollen Schweine und Hühner von dieser Aktion profitieren. Der Deutsche Tierschutzbund möchte die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Die Mehrkosten für dieses „Tierwohl-Siegel“ werden an die Verbraucher weitergegeben, weil es Verbraucher gibt, die dazu bereit sind.

Kommentar:
Dieses Siegel wird ja nur bei einem kleinen Anteil der Nutztiere zum Tragen kommen – von Seiten der Fleisch-Produzenten und Händler stehen hier sicherlich wirtschaftliche Interessen im Brennpunkt.
Ginge es wirklich um das Wohl der Tiere, würde die Fleischindustrie selbstverständlich für alle Tiere eine deutliche Verbesserung in Bezug auf Haltung und Schlachtung vorschlagen und auf eigene Kosten durchsetzen.

Das „Tierwohl-Siegel“ soll dem Konsumenten vorgaukeln, dass es dem Tier „wohl“ ergangen sei und dass der Verbraucher womöglich noch etwas Gutes tue, wenn er dieses Fleisch isst. Sicherlich, er unterstützt damit eventuell, dass das Tier auf seinem Teller ein kleines bisschen weniger gequält wurde als andere Leidensgenossen – aber reicht das wirklich? Die Brutalität und die Machenschaften der Fleischindustrie sind bekannt, und diese unterstützt der Verbraucher letztendlich. Was für ein Etikettenschwindel! Müsste es nicht „Klein-weniger-Qual-Siegel“ heißen? Was meint ihr?


Referenz:
hna.de, 30.06.2011: Tierschutzbund will Fleisch mit Tierwohlsiegel auszeichnen.

Millionen Schweine in Südkorea lebendig begraben

Weil Ende 2010 in Südkorea die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen war, wurde angeordnet, die Tiere vorsorglich zu töten. Es ist ungeheuerlich: Koreanische Tierschützer haben recherchiert und in einem Film dokumentiert, dass tausende lebendige Schweine in ein tief ausgegrabenes Loch verbracht und lebendig begraben wurden. Millionen Schweine sollen so ihren grausamen Tod erlitten haben.

Mit diesem grauenvollen Vorgehen widersprechen die Koreaner eindeutig dem koreanischen Tierschutzgesetz und den internationalen Richtlinien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), die die koreanische Regierung unterzeichnet hat. Diese Richtlinien untersagen im Falle einer Seuchenbekämpfung das lebendige Begraben.
Wer´s nicht glaubt, dass Menschen zu so etwas fähig sind, guckt einfach mal den Film auf Bild.de an.

Referenz:
Bild.de, 14.03.2011: Millionen Schweine lebendig begraben

Film von Bild.de

Tierquälerei an Küken in Cuxhaven

Der Weltkonzern Lohmann/ Aviagen mit Sitz in Cuxhaven ist Marktführer auf dem Gebiet der Züchtung und „Produktion“ von Legehennenrassen. Lohmann ist weltweit bekannt als der Züchter von so genannten Hybridrassen, das heißt, das Geflügel wird entweder auf eine hohe Mastleistung oder auf eine hohe Legeleistung gezüchtet. Nun müssen sich die beiden Geschäftsführer, Hans-Friedrich Finck und Rudolf Preisinger, vor Gericht verantworten. Es geht um die millionenfache Misshandlung von Küken. Die Anklagebehörde wirft Lohmann vor, jahrelang Kämme und Zehen der Küken ohne Betäubung amputiert zu haben. Diese Organe sind sehr schmerzempfindlich und sehr gut durchblutet. Nach dem Tierschutzgesetz ist diese massive Manipulation bereits seit 2006 verboten.

Es geht wieder einmal nur ums Geld. Das Kämmekürzen ist eine übliche Vorgehensweise zur Differenzierung der Küken nach ihren Zuchtlinien; man kann dann z.B. Hennen, die weiße Eier legen, von denen, die braune Eier legen, unterscheiden. Durch Einfärben des Gefieders käme man auf das gleiche Ergebnis, dies ist jedoch viel teurer und zeitaufwendiger.

Generell sind bei den hochgezüchteten Legehennenrassen natürlich nur die eierlegenden weiblichen Tiere von Nutzen. Die männlichen Küken sind „Abfallware“, sie werden entweder vergast oder im Kükenmuser getötet. Die Tierrechtsorganisation PETA geht davon aus, dass bei Lohmann wenigstens ein Teil der männlichen Küken, die keine Verwendung fanden, getötet wurde und billig über eine Entsorgungsgesellschaft auf dem Müll landete. Dies verstößt ebenfalls gegen das Tierschutzgesetz, in dem es heißt, man darf Tiere nicht „ohne Nutzung“ töten.

Kommentar:
Es ist wirklich eine Schande, dass Tiere, unsere Mitgeschöpfe, für industriemäßige Massenproduktionen ausgenutzt und getötet werden. Jeder hat es täglich selbst in der Hand, ob er durch seinen Konsum dieses Tierleid unterstützt.

Referenzen:
peta.de/lohmann;
Prozess um gequälte Küken, Weser-Kurier, 15.02.2011