Wie reagieren deutsche Discounter auf den Wiesenhof-Skandal?

Die katastrophalen Zustände in der Tiermast halten sich nur deshalb, weil Abnehmer und Verbraucher gerne wegschauen. Die Discounter, die im großen Stil von Wiesenhof beliefert werden, und von denen Wiesenhof finanziell abhängig ist, tragen deshalb auch eine moralisch Verantwortung, für das, was in der „Produktionskette“ geschieht.

Ich wollte es genau wissen, ob deutsche Discounter es einigen schweizern Diskountern gleichtun und sich von Wiesenhof distanzieren. Deshalb habe ich am 22.09.2011 Kaufland, REWE, Famila, Aldi Nord, Aldi Süd, Tegut, Real und EDEKA per E-Mail angeschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des Wiesenhofskandals, Sendung vom 31.08.2011 in der Sendereihe ARD-exklusiv, „Das System Wiesenhof – wie ein Geflügelkonzern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet“, wende ich mich als Verbraucher mit der Frage an Sie, ob Sie als Anbieter von Wiesenhof-Produkten irgendwelche Konsequenzen ziehen werden.

Die schwer erhobenen Vorwürfe gegen Wiesenhof aufgrund der tierquälerischen Haltung gingen durch die Presse und sind hinreichend bekannt, deswegen formuliere ich meine Frage ganz konkret: Werden Sie weiterhin Wiesenhof-Produkte in Ihrem Sortiment führen, ja oder nein?

Ich hoffe sehr, dass ich eine positive Antwort im Sinne des Tierschutzes von Ihnen erhalte.

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

Zwei haben am selben Tag noch  geantwortet:  Famila und  REWE:

Famila, 22.09.2011:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre Email, zu der wir gern Stellung nehmen. Bereits im Januar 2010 gab es einen Bericht über Wiesenhof, der über Report Mainz ausgestrahlt wurde. Eine ehemalige Pächterin hatte Filmmaterial, zur Verfügung gestellt, das auf ihrer Farm im Jahr 2009 aufgenommen und in dem Bericht verwendet wurde. Das gleiche Filmmaterial wird nun in diesem neuen Bericht, ausgestrahlt am 31. August 2011 über ARD-exklusiv, verwendet.

Die Pächterin selbst war verantwortlich für das Wohl der Tiere auf der Farm, weshalb die gezeigten Zustände ausschließlich ihr Verschulden waren. Die Firma Wiesenhof hatte sich bereits im Jahre 2009 wegen der unhaltbaren Zustände auf dem Hof von diesem Betrieb getrennt, und im Jahre 2010 nach Veröffentlichung der Bilder gegen die Pächterin Klage wegen Tierquälerei erhoben.

Nach der Ausstrahlung des Reports im August haben wir sofort mit dem

Unternehmen Wiesenhof Kontakt aufgenommen, um deren Stellungnahme zu den Vorwürfen einzufordern. Zudem ergab ein weiteres, außerplanmäßiges Lieferantenaudit, dass alle Kontrollen in Ordnung waren. Die Firma Wiesenhof nimmt auf ihrer Seite http://newsroom.wiesenhof-online.de/ umfassend zu den Vorwürfen Stellung.

Die Nutztierhaltung ist gesetzlich geregelt, so dass Tiere tiergerecht gehalten werden müssen. Tierquälerei darf natürlich nicht vorkommen! Wir blicken auf eine langjährige, gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Firma Wiesenhof zurück und uns ist bekannt, dass die im ARD-Report gezeigten Bilder nicht der Standard in Wiesenhof Betrieben ist.

In einem so großen Unternehmen wie Wiesenhof, dem 800 Tierfarmen angeschlossen sind, ist es nicht immer einfach, alle Verstöße gegen die Nutztierhaltung zeitnah aufzudecken, die möglicherweise auch durch Fremdfirmen begangen werden. Eine 100%ige Sicherheit gibt es somit zwar bedauerlicherweise nicht, doch Wiesenhof und auch Händler wie famila sind auf das Äußerste bemüht, durch ständige amtliche und nichtamtliche Kontrollen, zu prüfen, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden und um mögliche Missstände aufzudecken und zu beheben!

Famila arbeitet eng mit verschiedenen Tierschutzorganisationen zusammen – die bekannteste davon ist zum Beispiel Vier Pfoten – um auch von nichtamtlicher Seite Berichte zu erhalten, ob Verstöße gegen den Tierschutz in einzelnen Betrieben vorliegen. Dies wurde uns bislang jedoch nicht bestätigt, so dass wir auch weiterhin unser Vertrauen in Wiesenhof setzen.

Wir freuen uns, wenn wir Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen konnten und wenn wir Sie bald wieder bei famila begrüßen dürfen.

Mit vielen sonnigen und freundlichen Grüßen

xxxxx

– FAMILA Kundenservice –

Kommentar:

Wiesenhof also völlig unschuldig? Ich will fair sein: Mir ist bekannt, dass bei den Drehs solcher Reportagen gerne auch auf älteres Bildmaterial zurückgegriffen wird, was dann auch ein verzerrtes Bild wiedergeben kann. Dennoch: Der ganze Film handelt ja nicht ausschließlich von dieser Pächterin, die die Zustände ihres Stalles durch eigenes Bildmaterial dokumentiert hatte und ggf. ebenfalls eine Mitschuld trägt.

Es wurden in der ARD-Reportage weitere  Mastbetriebe  mit schlimmen Zuständen gezeigt;  Peta und eine andere Tierschutzorganisation drehten dort undercover.

Dass Wiesenhof, die Pächterin anzeigt ist logisch: Diese Frau hat die Missstände schließlich als Insider an die Öffentlichkeit gebracht und hat möglicherweise (vielleicht auch nicht) auch eigene Versäumnisse zu verschulden. Die Frage drängt sich allerdings auf, ob Wiesenhof nicht einfach nur den Spieß umdrehen möchte, um von sich abzulenken.

Famila macht es sich nach meiner Meinung sehr sehr leicht…


REWE, 22.09.2011:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre Nachricht und die damit verbundene Mühe, uns Ihr Anliegen zu schildern.

Wir teilen Ihre Verärgerung und können Ihnen mitteilen, dass die REWE Group auf die ARD-Reportage „Das System Wiesenhof“ vom 31. August 2011 unmittelbar reagiert und die Geschäftsführung von Wiesenhof zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. Die REWE Group erwartet von Wiesenhof eine lückenlose und zweifelsfreie Aufklärung der in diesem Beitrag gemachten Vorwürfe und distanziert sich mit aller Entschiedenheit von sämtlichen tierquälerischen Praktiken. Wir behalten uns vor, soweit Wiesenhof Produkte bezogen werden, diese durch Alternativlieferanten zu ersetzen.

Tierschutz hat für die genossenschaftliche REWE Group einen hohen Stellenwert. Daher toleriert das Unternehmen keine Verstöße dagegen, ganz gleich ob diese von einem Lieferanten oder einer von ihm beauftragten Firma begangen wurden.

Zwischenzeitlich hat uns Wiesenhof mitgeteilt, einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Haltungsbedingungen in den Ställen schnellstmöglich umzusetzen. Dies ist uns noch nicht genug: Um unser und das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen, haben wir Wiesenhof aufgefordert, kurzfristig wesentlich mehr für den Tierschutz zu tun. Darüber hinaus liegt uns bereits eine Zusage vor, dass die REWE Qualitätssicherung eigene und unangemeldete Kontrollbesuche in den Wiesenhof-Betrieben vornehmen kann. Wir werden alle eingeleiteten Maßnahmen einer umfassenden Kontrolle unterziehen und davon unsere weitere Geschäftsbeziehung abhängig machen.

Uns geht es im Dialog mit Wiesenhof darum, eine dauerhafte Verbesserung etwaiger Missstände zu erzielen. Eine kurzfristige Auslistung ist aus unserer Sicht ein probates Mittel der Problemvermeidung. Damit ist aber weder den Tieren noch dem Gedanken des Tierschutzes geholfen. Verantwortung für zukünftige Generationen zu übernehmen, heißt für uns eben auch, sich einem Problem zu stellen und gemeinsam mit einem Lieferanten an einer Lösung zu arbeiten.

Der Einkauf auf dem Bauernhof ist sicherlich eine individuelle Variante, den eigenen Bedarf an Lebensmitteln zu decken. Allerdings reicht allein die Kapazität dieser Höfe bei weitem nicht aus, um ein Volk von knapp 80 Millionen Menschen dauerhaft mit Lebensmitteln zu versorgen. Ganz zu schweigen von der Bezahlbarkeit von Lebensmitteln.

Die REWE Group bietet ihren Kunden ein umfassendes Sortiment an regionalen bzw. heimischen Produkten, an Lebensmitteln aus biologischem Landbau oder neuerdings an nachhaltigeren Lebensmitteln (Pro Planet) an.

Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung dieser Produzenten bzw. Produktionsformen. Mehr noch: Wir werden den Anteil dieser Lebensmittel am Sortiment weiter ausbauen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen weiter helfen konnten und wünschen Ihnen ein schönes Wochenende

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

REWE GROUP

Kommentar:

Es ist gut, dass REWE von Wiesenhof bessere Tierschutzbedingungen einfordert und auch eigene Kontrollen durchführen möchte.  Mein volles Vertrauten bekommt Wiesenhof  und REWE aber erst, wenn kritische Kontrolleure, z.B. Peta, ebenfalls freien Zugang zu den Ställen gewährt wird, um sich über die Fortschritte zu informieren.


25.09.2011, Aldi Süd:

Sehr geehrte Frau xxxx,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Um für unsere Kundinnen und Kunden Frische und Sicherheit bei unseren Fleischprodukten zu garantieren, setzen wir auf umfassende und stetige Qualitätskontrollen der Waren durch unabhängige Lebensmittelinstitute. Überprüfungen finden entlang der gesamten Lebensmittelkette statt: Von der Schlachtung und Verarbeitung über die Lagerung bis hin zum Verkauf werden Qualitätsdimensionen wie Frische, Aussehen, Inhaltsstoffe und Geschmack des Fleisches laufend kontrolliert.

Die Lieferanten unserer in der Kühlung angebotenen Frischfleisch-Produkte müssen neben der obligatorischen Zertifizierung nach dem International Featured Standard (IFS) auch Partner des anerkannten QS-Prüfsystems sein. So können wir sicherstellen, dass alle Verarbeitungsschritte bis zum Endprodukt genau dokumentiert werden. Überprüft werden unter anderem Tiergesundheit und Futtermittel bei der Aufzucht, Tierschutz beim Transport, Hygienestandards bei Aufzucht und Verarbeitung sowie die Produktqualität und die Einhaltung der Kühlkette.

Gerne teilen wir Ihnen in diesem Zusammenhang mit, dass unsere Lieferanten von Frischgeflügel Partner des 5-D-Herkunftssicherungssystem sein müssen. Die fünf D auf der Verpackung garantieren, dass das Tier, ebenso wie bereits die Elterntiere, in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, mit Futter aus deutscher Produktion ernährt und in Deutschland geschlachtet und verarbeitet wurde. Zudem stammen die Geflügelrohstoffe ausschließlich von Tieren, die nur mit NON-GMO-Soja gefüttert wurden.

Bezüglich der TV-Reportage möchten wir Sie bitten, sich direkt an die Firma „Wiesenhof“ zu wenden. Gerne verweisen wir dabei auf die Homepage des Lieferanten (www.wiesenhof-online.de).

Mit freundlichen Grüßen

Kommunikation

ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Kommentar:

War das jetzt die Antwort auf meine präzise formulierte Frage? Ich  frag am selben Tag per E-Mail nach:

Sehr geehrte Damen und Herren,

besten Dank für Ihr Antwortschreiben auf meine E-Mail vom 22.09.2011. Leider haben Sie meine Frage nicht beantwortet, die lautete, ob Sie Konsequenzen aus dem Wiesenhof-Skandal ziehen und weiterhin Wiesenhof-Produkte anbieten.

Gerne erwarte ich Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

xxxx

Update: Heute, am 27.09.2011, die Antwort von Aldi Süd auf mein gestriges E-Mail

Sehr geehrte Frau xxxx,

Ihre erneute Anfrage bezüglich der Firma „Wiesenhof“ haben wir erhalten. Wir möchten Ihnen versichern, dass wir uns dieses Themas durchaus bewusst und entsprechend sensibilisiert sind. Wir befinden uns kontinuierlich im engen Dialog mit unseren Lieferanten, um solche aktuellen Themen und Entwicklungen rund um das Thema „Tierschutz“ zu erörtern.

Bitte seien Sie versichert, dass wir uns im Sinne unserer Kundinnen und Kunden intensiv mit der Thematik auseinandersetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Kommunikation

ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG

Unternehmensgruppe ALDI SÜD

Kommentar:

Also wieder keine Antwort auf die Frage, ob sie Konsequenzen aus dem Wiesenhof-Skandal ziehen!


Update, 26.09.2011,  Tegut:

Sehr geehrte xxxx,

vielen Dank für Ihre Nachricht und das Interesse, das Sie tegut… damit entgegenbringen.

Uns haben die Meldungen in den Medien über Wiesenhof und die dortige Geflügelhaltung ebenso erschrocken, gar geschockt.

Die gezeigten Bilder und beschriebenen Zustände entsprechen in keiner Weise unserem Bild von einem respektvollen Umgang mit Tieren.

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass es wichtig ist, den Prozess des Schlachtens und die Zeit davor mit besonderem Bedacht zu gestalten und dabei zu bedenken, dass wir es mit Mitgeschöpfen zu tun haben. Nur mit diesem Bewusstsein wird es uns gelingen, unserer Verantwortung gerecht zu werden.

Wir wissen, dass es in großen Unternehmen schwierig ist, vom Verhalten Einzelner auf das gesamte Unternehmen zu schließen, und gleich davon auszugehen, dass hier ein Prinzip eines Unternehmens dahinter stecken würde.

Für uns ergibt sich aus den Vorfällen daher zunächst die Verantwortung, mit unserem Lieferanten Wiesenhof die Vorfälle zu klären und aufzuarbeiten.

Wir sehen eine Auslistung im Augenblick als zu kurzfristige Lösung an. Sie ist nach unserer Meinung wenig geeignet, die Situation zum Besseren hin zu gestalten, da dieser Schritt auch den Tieren, die zur Zeit noch aufgestallt sind, nicht helfen würde.

Erste Gespräche finden im Oktober statt. Danach werden wir den Sachverhalt neu beurteilen.

Für alle, die Alternativen zu Wiesenhof suchen, bieten wir im Bereich der Bedientheke und auch im Selbstbedienungsbereich konventionelle Ware von anderen Lieferanten an. Als weitere Alternative bieten tegut… Märkte seit jeher Geflügelprodukte in Bio-Qualität an. Diese Produkte sind sowohl in Selbstbedienungsbereich als auch in der Bedientheke zu bekommen.

Haben Sie Fragen oder benötigen Sie weitere Informationen? Antworten Sie uns unter folgender Email-Adresse: info@tegut.com

Mit freundlichen Grüßen

xxxx, Kundenbetreuung

Update, 27.09.2011,  Kaufland

Sehr geehrte Frau xxxx

vielen Dank für Ihre Nachricht vom 23.09.2011.

Im Rahmen der Sortimentsgestaltung setzt Kaufland sich aktiv für den Tierschutz ein – dies ist ein wichtiger Bestandteil unserer Einkaufspolitik. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Tieren ist uns dabei wichtig, daher nehmen wir derartige Vorwürfe sehr ernst.

Die in der Reportage „ARD-exklusiv“ dargestellten Sachverhalte entsprechen nicht den Anforderungen, die wir an unsere Lieferanten stellen und sind nicht mit unserer Geschäftspolitik vereinbar. Wir stehen mit Wiesenhof in persönlichem Kontakt und fordern zwingend die Einhaltung von Tierschutznormen sowie die Durchführung von konsequenten und zielgerichteten Maßnahmen, um derartigen Missständen vorzubeugen bzw. diese abzustellen.

Grundsätzlich sind wir bestrebt, unser Angebot an Produkten aus alternativen Haltungsformen kontinuierlich auszubauen und entsprechende Produkte in unser Sortiment aufzunehmen. So bieten wir in unseren Filialen beispielsweise Freilandhähnchen der Marke „Nature & Respect“ an. Zudem haben wir gemeinsam mit einem Lieferanten und einer Tierschutzorganisation Maßnahmen initiiert, um Haltungsstandards zu etablieren, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Ausführungen weiter helfen konnten und sind weiterhin gerne für Sie da.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Kaufland Kundendienst-Center

Meinen Antwort an Kaufland am selben Tag:

Sehr geehrte Frau xxxx

vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie schreiben, Sie sind in Kontakt mit Wiesenhof, um bessere Tierschutzbedingungen einzufordern. Das freut mich, gerne höre ich demnächst wieder von Ihnen per E-Mail, um mich über die erfolgreiche Durchsetzung konkreter Tierschutzverbesserungen zu informieren.

Mi freundlichen Grüßen

xxxx

12 Antworten auf „Wie reagieren deutsche Discounter auf den Wiesenhof-Skandal?“

  1. Hallo,
    nicht einer der o.g. Läden schwert sich um die Tiere, sonst hätten sie die Wiesenhof-Produkte sofort und ohne Umschweife aus dem Sortiment genommen.
    Desweiteren hätten sie von Wiesenhof fordern müssen, dass nachgewiesen werden muss, dass die unhaltbaren Zustände dauerhaft abgestellt sind.
    Der Verbraucher muss mit seinem Portemonaie entscheiden, was er unterstützt und was nicht – Qualität kostet.

    Henning

  2. @Henning: Genau so ist es. Die Antworten sind eine „Werbetaktik“, um die Verbraucher zu beruhigen. Im Übrigen geht es ja nicht nur um Wiesenhof, sondern um sämtliche Geflügelfarmen. Wären die Discounter konsequent und würden sie sich ehrlich um Tierschutz bemühen, hätten sie den Wiesenhofskandal zum Anlass genommen, die Produktionsbetriebe sämtlicher Fleischlieferanten zu hinterfragen. Die Verbraucher würden das heute in den Regalen sehen.

  3. ich glaube nicht, daß bei den discountern sich irgendjemand für tierschutz interessiert, solange es noch genug trottel gibt, die dieses ekelhaft produzierte fleisch kaufen.

    was mich im bericht am meisten schockiert hat, waren die reaktionen der wiesenhof mitarbeiter, für die das alles ganz normal zu sein scheint. den wesjohann sollte man einfangen und mal 3 wochen in seinen eigenen stall sperren…

  4. @Anonymous: Solange die Menschen Fleisch essen, wird es Mastbetriebe und Schlachthäuser geben. Und jeder, der Fleisch isst, macht sich bei der bestialischen Tierquälerei mitschuldig. Zu deinem zweiten Punkt: Mich hat es auch schockiert, wie katschnäutzig dieser W. behauptet, „die Tiere fühlen sich wohl“. Von daher find ich deinen Vorschlag sehr angebracht, dass er eine Zeitlang mal bei seinen Hühnern wohnt. Vielleicht wird er dann etwas klarer im Kopf und redet nicht mehr so wirres Zeug.

  5. @ all

    Wie sich Aldi, Lidl, Kaufland und Co. seit Jahren aus solchen Lebensmittel-Skandalen versuchen herauszureden ist Insidern längst bekannt. Sie sind ein Teil, wenn nicht sogar die Ursache des Problems. Kein Wunder ist es deshalb, dass deren Propaganda- Abteilungen immer die gleichen unwahren Standard–Formulierungen an die Kritiker und Verbraucher verbreiten.

    Durch den Marktverdrängungs-und Konzentrationsprozess im Einzelhandel sind Oligopol-/ bzw. Monopolartige Strukturen entstanden. Diese Marktmacht ist nun gleichzeitig Einkaufsmacht, insbesondere bei den Discountern mit deren agressiven Tiefpreispolitik.

    Die Lebensmittel Produzenten sind mit wenigen Ausnahmen fast ausschließlich Mittel-ständische Unternehmen mit schwacher Position. Während 80% des Lebensmittel-einzelhandels wie beschrieben unter 5 (!!!) großen (Konzern-) Anbietern –inklusive den Discountern Aldi und Lidl mit einem alleinigen Marktanteil von über 50% des gesamten LEH – aufgeteilt ist, beschäftigen 65% von ca. 5.500 Betriebe aus der Lebensmittel-produktion maximalst ca. 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wiesenhof und ein paar andere Großkonzerne (z.B. Nestle/Procter&Gamble) gehören schon zu den wenigen großen bzw. größten. Entsprechend sind die Gewichte zwischen der Lebensmittelindustrie und den Einzelhandelsketten sehr ungleich verteilt.
    Letztendlich sind es also die Discounter Konzerne selbst , um ihre Marktanteile zu halten, die die Produktions- und Einkaufsbedingungen von anderen Unternehmen diktieren. Das heisst, wer zu den billigsten Konditionen liefert erhält den Zuschlag für Aldi, Lidl und Co. deren Regale und Kühltruhen zu füllen. Wenn man also „Ursache und Wirkung“ komplex betrachtet, führt dies nicht nur direkt bei den Discountern zu den bekannten schlechten Arbeitsbedingungen, sondern auch bei den Produzenten und Zulieferern! (logische negative (Domino-) Effekte auf die Qualität, Produktionsprozesse, Verbraucher- Lebensmittelsicher-heit. siehe dazu:

    http://www.welt.de/wirtschaft/article6660152/Hersteller-fuerchten-um-die-Qualitaet-der-Lebensmittel.html

    http://www.welt.de/wirtschaft/article1900578/Hungerloehne_Schwere_Vorwuerfe_gegen_Aldi_amp_Co.html

    (siehe:“ Erzeuger im Würgegriff der Discounter“
    http://www.zeit.de/2005/19/Macht_der_Eink_8aufer

    Die Grenzen zwischen fairen Verhandlungen, Missbrauch und Erpressung sind offensichtlich nach solchen o.g. Methoden nur schwer zu ziehen.
    Die Wiesenhof Machenschaften sind demzufolge eher eine automatische Schlussfolgerung in der langen Kette der
    Lebensmittelskandale.

    Jeder will also auf seine Art klammheimlich reich werden.
    „Billig“ hat seinen Preis- für uns alle, auf Kosten aller.
    es wäre Zeit das dies endlich ein Ende hat.

    m.f. G.

  6. Auch ich habe als Reaktion auf die Sendung „Das System Wiesenhof“ Briefe an REWE und EDEKA geschrieben. Beide waren fast gleichlautend; hier der Brief an REWE:

    Konsequenzen aus dem Tierquälerei-Skandal bei Wiesenhof

    Sehr geehrter Herr Caparros,

    mit großer Bestürzung habe ich am 31.8.2011 den ARD-Exklusiv-Beitrag „Das System Wiesenhof“ gesehen, in dem gezeigt wurde, wie Tiere dort auf brutalste Weise gequält und getötet werden. Sicherlich haben Sie auch davon gehört oder sogar selbst gesehen. Falls nicht, empfehle ich Ihnen, sich die Reportage selbst anzuschauen. Sie finden sie in der ARD-Mediathek (http://mediathek.daserste.de) unter den Stichworten „Das System Wiesenhof“.

    Mit Bedauern stelle ich fest, dass auch in mehreren REWE-Filialen Hamburgs und Oldenburgs – und höchstwahrscheinlich auch in allen anderen Filialen – Geflügelfleisch von Wiesenhof angeboten wird. Beim Anblick der Packungen im Regal bekomme ich ein ganz übles Gefühl. Ich fordere Sie auf, keine Produkte mehr von Wiesenhof in Ihrer Supermarktkette anzubieten! Stattdessen sollten Sie Ihr bislang leider sehr spärliches Biofleischsortiment deutlich erweitern.

    Das Problem der Massentierhaltung muss von mehreren Seiten angegangen werden. Hier sind Justiz, Verbraucher und der Einzelhandel gefragt. Auf die Justiz haben wir beide keinen Einfluss. Ich als Verbraucher leiste meinen Beitrag, in dem ich derartige Produkte meide. Ich bin auch bereit, für alternative Biofleisch- und -wurstprodukte einen wesentlich höheren Preis zu bezahlen als für Produkte aus Massentierhaltung. Sie sitzen am Hebel einer großen Einzelhandelskette. Leisten bitte auch Sie Ihren Beitrag!

    Ihre Schweizer Konkurrenz geht hier schon mit gutem Beispiel voran. Migros, Coop und Denner bieten bis auf Weiteres keine Wiesenhof-Produkte mehr an.

    Übrigens sind die Vorwürfe gegen Wiesenhof nicht neu. Bereits im Januar 2010 hat Report Mainz einen ähnlich erschütternden Bericht gezeigt, woraufhin Besserung gelobt wurde. Der neuerliche Bericht zeigt nun, dass dies nichts weiter als ein Lippenbekenntnis war. Schon allein deswegen muss jetzt der Druck auf Wiesenhof von allen Seiten verstärkt werden. Bitte zeigen Sie ein Herz und beteiligen Sie sich daran. Ich bin sehr sicher, dass die Verbraucher dies honorieren werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    xxx

  7. Und hier die Antwort von REWE:

    Sehr geehrter Herr Dr. xxx,

    vielen Dank für Ihr Schreiben vom 16. September 2011 an unseren Vorstandsvorsitzenden Alain Caparros, welches ich gerne in dessen Auftrag beantworte.

    Wir teilen Ihre Verärgerung und können Ihnen mitteilen, dass die REWE Group auf die ARD-Reportage „Das System Wiesenhof“ vom 31. August 2011 unmittelbar reagiert und die Geschäftsführung von Wiesenhof zu einer Stellungnahme aufgefordert hat. Die REWE Group erwartet von Wiesenhof eine lückenlose und zweifelsfreie Aufklärung der in diesem Beitrag gemachten Vorwürfe und distanziert sich mit aller Entschiedenheit von sämtlichen tierquälerischen Praktiken. Wir behalten uns vor, soweit Wiesenhof Produkte bezogen werden, diese durch Alternativlieferanten zu ersetzen.

    Tierschutz hat für die genossenschaftliche REWE Group einen hohen Stellenwert. Daher toleriert das Unternehmen keine Verstöße dagegen, ganz gleich ob diese von einem Lieferanten oder einer von ihm beauftragten Firma begangen wurden.

    Zwischenzeitlich hat uns Wiesenhof mitgeteilt, einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Haltungsbedingungen in den Ställen schnellstmöglich umzusetzen. Dies ist uns noch nicht genug: Um unser und das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen, haben wir Wiesenhof aufgefordert, kurzfristig wesentlich mehr für den Tierschutz zu tun. Darüber hinaus liegt uns bereits eine Zusage vor, dass die REWE Qualitätssicherung eigene und unangemeldete Kontrollbesuche in den Wiesenhof-Betrieben vornehmen kann. Wir werden alle eingeleiteten Maßnahmen einer umfassenden Kontrolle unterziehen und davon unsere weitere Geschäftsbeziehung abhängig machen.

    Uns geht es im Dialog mit Wiesenhof darum, eine dauerhafte Verbesserung etwaiger Missstände zu erzielen. Eine kurzfristige Auslistung ist aus unserer Sicht ein probates Mittel der Problemvermeidung. Damit ist aber weder den Tieren noch dem Gedanken des Tierschutzes geholfen. Verantwortung für zukünftige Generationen zu übernehmen, heißt für uns eben auch, sich einem Problem zu stellen und gemeinsam mit einem Lieferanten an einer Lösung zu arbeiten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Marco Sandner

    REWE GROUP
    Corporate Communications
    International Communications
    Pressesprecher

    Rewe-Zentralfinanz e.G.
    Domstr. 20 – 50668 Köln

    Vorstand: Alain Caparros (Vorsitzender), Manfred Esser, Jan Kunath, Josef Sanktjohanser, Lionel Souque, Frank Wiemer
    Aufsichtsratsvorsitzender: Heinz-Bert Zander
    Registergericht, Sitz: Amtsgericht Köln (HRB 5281), Köln

    Telefon: +49 221 149-1044
    Telefax: +49 221 149-971044
    E-Mail: marco.sandner@rewe-group.com

  8. Antwort des EDEKA-Kundenservice:

    Sehr geehrter Herr X,

    vielen Dank, dass Sie sich an uns gewandt haben.

    Bitte seien Sie versichert, dass wir gerade in unserem Geflügel-, Fleisch- und Wurstsortiment kontinuierlich auf die Einhaltung höchster Qualitätsstandards und die Beachtung entsprechender Tierhaltungsstandards achten.

    Wir nehmen die in dem kritischen ARD-Beitrag vom 31.08.2011 erhobenen Vorwürfe gegen die Firma Wiesenhof sehr ernst. Wir sind entsprechend in engem Dialog mit Wiesenhof und prüfen derzeit die im Filmbeitrag dargestellten Anschuldigungen.

    Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir erst nach sorgfältiger Klärung des Sachverhalts über etwaige weitere Maßnahmen entscheiden können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr EDEKA Kundenservice

  9. Die Antwort des REWE-Kundenservice ist in den ersten fünf Absätzen identisch zu der Antwort, die Karin empfangen hat. Karin und ich hatten aber natürlich auch unabhängig voneinander das gleiche Anliegen vorgebracht.

    Nachdem jetzt ein paar Monate vergangen sind, würde mich das Ergebnis der „eigenen und unangemeldeten Kontrollbesuche in den Wiesenhof-Betrieben“ durch die REWE-Qualitätssicherung ausgefallen ist. Ich wette drauf, dass bei Nachfrage geantwortet wird, dass diese Kontrollen tatsächlich stattgefunden hätten und man dabei festgestellt habe, dass sich die Situation in den Betrieben substanziell verbessert hat. Tatsächlich wird es in absehbarer Zeit sicherlich wieder eine Reportage im Fernsehen geben, die belegen wird, dass sich überhaupt nichts geändert hat.

  10. Ist es nicht aber am ende so, dass sich der allergrößte Teil der Kundschaft dieser Discounter auch nicht um die Tiere schert? Es muss immer billig billig billig sein. Das ist die eigentliche Crux. Die Disccounter und die Hersteller wie Wiesenhof befriedigen am Ende nur das was der Markt will. Geiz ist geil.

    Ich bin sicher, dass alle sofort reagieren würden, wenn die Kundschaft enstsprechende Produkte boykottiert. Aber mal ehrlich, eher wird Wiesenhof vom Tierschutzverband für „außergwöhnlich herausragende Tieraufzucht“ ausgezeichnet, als das wirklich die Kunden sich bewegen..
    Ttraurig eigentlich,….

  11. Beim Real gibt es immer noch Hähnchen/Hühner von Wiesenhof. Warum wird der Lieferant nicht gewechselt. Ich würde gerne mehr bezahlen, wenn ich wüsste, dass die Tiere gut gehalten werden. Ein Betrieb wie Wiesenhof müsste durch die Behörden geschlossen werden!!!!!!

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